Luna
29.05.2003, 12:56
Der Biotechsektor erklimmt neue Höhen, der Pharmasektor leidet weiterhin.
Biotechindices auf 52-Wochen-Hoch
Auslöser der Rally im Biotechsektor war letzte Woche das Unternehmen Genentech . Der Aktienkurs legte nach positiven Daten zu dem experimentellen Wirkstoff Avastin um über 50 Prozent zu. Das Papier ist gefragt wie schon lange nicht mehr. Dass der Angiogeneseinhibitor bei Darmkrebspatienten das Überleben so deutlich verlängern konnte, war eine echte Überraschung für Analysten und Investoren gleichermassen. Schliesslich hatte Avastin , das die Blutgefässneubildung um das Tumorgewebe hemmen soll, in einer entsprechenden Studie bei Brustkrebspatientinnen nicht die erwünschte Wirkung gezeigt. Dennoch ist der gigantische Anstieg des Aktienkurses auf aktuell USD 62.87 wie so oft eine Überreaktion der Börse. Zwar ist Genentech , auf Grund seiner Vielzahl aussichtsreicher Biopharmazeutika, ein Kerninvestment in der Biotechbranche, doch wer in das Unternehmen investieren will, sollte eine Abkühlung des Kurses abwarten.
Angeheizt von positiven News zahlreicher anderer Unternehmen, können die beiden Hauptindices AMEX- und NASDAQ- Biotech weiter ordentlich an Fahrt gewinnen. Der AMEX notiert zurzeit auf 448 Punkten. Dies entspricht einer Performance von 35 Prozent seit Ende 2002. Auch der breiter gestreute NASDAQ-Biotechindex steht seinem grossen Bruder in nichts nach und kann sich mit einem momentanen Stand von 670 Punkte sehen lassen. Das 52-Wochen-Hoch wurde schon seit längerem durchbrochen. Der Biotechbranche läuft es also weiterhin zur vollsten Zufriedenheit. Zu gut, meinen einige Analysten. Morgan Stanley riet erst in der Vorwoche zu Gewinnmitnahmen. Allen Unkenrufen zum Trotz, setzt die Biotechbranche ihren Höhenflug fort.
Übernahmegerüchte sorgen für weitere Kursphantasie
Bei vielen Unternehmen tauchten in den letzten Tagen Übernahmegerüchte auf, die für weitere Kurssteigerungen sorgten. In der vergangenen Woche ging bereits das Gerücht um, dass Genentech ein Übernahmeangebot für Idec Pharmaceuticals bereit halte. Und Amgen soll Interesse an Celgene bekunden. Weitere Übernahmespekulationen gab es bei Sepracor . Die Gerüchte haben alle etwas gemeinsam: Auch wenn sie sich nicht bewahrheiten, sorgen sie doch für Kursphantasie und lassen den Sektor weiterhin attraktiv erscheinen.
ASCO-Meeting im Mittelpunkt
Die Rally in der Biotechbranche könnte nach den jüngsten Gewinnen noch eine Weile anhalten. Speziell die Hersteller von Wirkstoffkandidaten gegen Krebs profitieren in dieser Woche vom jährlich statt findenden Treffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO). Am 31. Mai werden dort in Chicago vor allem die Präsentationen der Unternehmen wie Dendreon und Antigenics erwartet. Die beiden Unternehmen werden wichtige Daten ihrer potenziellen Immuntherapeutika gegen Krebs vorstellen, die den Aktienkurs, zumindest kurzfristig, noch weiter antreiben werden. Ein Bericht im Wall Street Journal über die Technologie der beiden Unternehmen sorgte bereits letzten Freitag für entsprechende Kursgewinne. Sollte also Dendreon 's Vakzine gegen das Prostatakarzinom halten, was erste Phase-III Daten versprechen, wäre erneut mit einem ordendlichen Kursgewinn in der nächsten Woche zu rechnen.
Rund um SARS wird spekuliert
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über eine neue SARS- Therapie spekuliert wird. Medarex konnte seit der Kampfansage gegen die Lungenseuche seit 1. Mai bereits um über 40 Prozent zulegen. Andere, vor allem Unternehmen aus der Viren-Technologie, geben Patenterhalte auf mögliche Kandidaten ihrer Produktepipeline bekannt. Vermeintliche Pennystocks, wie das Unternehmen Viragen , wandeln sich als Folge zu gesuchten Investments mit enormen Kursgewinnen. Sie behergeben allerdings auch ein enormes Rückschlagsrisiko.
Pharmasektor im Abwärtstrend
Während der Biotechsektor ungebremst nach oben zieht, setzt der Pharmasektor seinen Abwärtstrend weiter fort. Der AMEX-Pharma-Index hat seit Ende Jahr 2002 5.93 Prozent zugelegt, bis er dann Anfang letzter Woche ausgebremst wurde. Grund für die zum Teil immensen Kursverluste grosser Pharmawerte war ein Gerichtsurteil zugunsten des US-Bundesstaates Maine. Das Urteil stützt das sogenannte Maine Rx-Programm, welches die Möglichkeit gibt, Pharmaunternehmen dazu zu zwingen, die Preise für Medikamente für Menschen ohne Krankenversicherung deutlich zu senken. Die Entscheidung wurde von Investoren genaustens beobachtet, da eine Entscheidung gegen die Pharmabranche, nach dem Preisdruck durch Generika einen weiteren Preiszerfall bei Arzneimittel bedeutet. Entsprechend waren die Reaktionen auf das Urteil. Pfizer , Merck und Johnson & Johnson litten erheblich unter Abgabedruck. Die Angst, dass weitere US-Staaten zur Kostensenkung im Gesundheitswesen ein ähnliches Programm implementieren wollen, halten viele Investoren derzeit von einem Pharmaengagement zurück. Der Pharmasektor ist deshalb mit Untergewichten einzustufen.
Biotechindices auf 52-Wochen-Hoch
Auslöser der Rally im Biotechsektor war letzte Woche das Unternehmen Genentech . Der Aktienkurs legte nach positiven Daten zu dem experimentellen Wirkstoff Avastin um über 50 Prozent zu. Das Papier ist gefragt wie schon lange nicht mehr. Dass der Angiogeneseinhibitor bei Darmkrebspatienten das Überleben so deutlich verlängern konnte, war eine echte Überraschung für Analysten und Investoren gleichermassen. Schliesslich hatte Avastin , das die Blutgefässneubildung um das Tumorgewebe hemmen soll, in einer entsprechenden Studie bei Brustkrebspatientinnen nicht die erwünschte Wirkung gezeigt. Dennoch ist der gigantische Anstieg des Aktienkurses auf aktuell USD 62.87 wie so oft eine Überreaktion der Börse. Zwar ist Genentech , auf Grund seiner Vielzahl aussichtsreicher Biopharmazeutika, ein Kerninvestment in der Biotechbranche, doch wer in das Unternehmen investieren will, sollte eine Abkühlung des Kurses abwarten.
Angeheizt von positiven News zahlreicher anderer Unternehmen, können die beiden Hauptindices AMEX- und NASDAQ- Biotech weiter ordentlich an Fahrt gewinnen. Der AMEX notiert zurzeit auf 448 Punkten. Dies entspricht einer Performance von 35 Prozent seit Ende 2002. Auch der breiter gestreute NASDAQ-Biotechindex steht seinem grossen Bruder in nichts nach und kann sich mit einem momentanen Stand von 670 Punkte sehen lassen. Das 52-Wochen-Hoch wurde schon seit längerem durchbrochen. Der Biotechbranche läuft es also weiterhin zur vollsten Zufriedenheit. Zu gut, meinen einige Analysten. Morgan Stanley riet erst in der Vorwoche zu Gewinnmitnahmen. Allen Unkenrufen zum Trotz, setzt die Biotechbranche ihren Höhenflug fort.
Übernahmegerüchte sorgen für weitere Kursphantasie
Bei vielen Unternehmen tauchten in den letzten Tagen Übernahmegerüchte auf, die für weitere Kurssteigerungen sorgten. In der vergangenen Woche ging bereits das Gerücht um, dass Genentech ein Übernahmeangebot für Idec Pharmaceuticals bereit halte. Und Amgen soll Interesse an Celgene bekunden. Weitere Übernahmespekulationen gab es bei Sepracor . Die Gerüchte haben alle etwas gemeinsam: Auch wenn sie sich nicht bewahrheiten, sorgen sie doch für Kursphantasie und lassen den Sektor weiterhin attraktiv erscheinen.
ASCO-Meeting im Mittelpunkt
Die Rally in der Biotechbranche könnte nach den jüngsten Gewinnen noch eine Weile anhalten. Speziell die Hersteller von Wirkstoffkandidaten gegen Krebs profitieren in dieser Woche vom jährlich statt findenden Treffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO). Am 31. Mai werden dort in Chicago vor allem die Präsentationen der Unternehmen wie Dendreon und Antigenics erwartet. Die beiden Unternehmen werden wichtige Daten ihrer potenziellen Immuntherapeutika gegen Krebs vorstellen, die den Aktienkurs, zumindest kurzfristig, noch weiter antreiben werden. Ein Bericht im Wall Street Journal über die Technologie der beiden Unternehmen sorgte bereits letzten Freitag für entsprechende Kursgewinne. Sollte also Dendreon 's Vakzine gegen das Prostatakarzinom halten, was erste Phase-III Daten versprechen, wäre erneut mit einem ordendlichen Kursgewinn in der nächsten Woche zu rechnen.
Rund um SARS wird spekuliert
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über eine neue SARS- Therapie spekuliert wird. Medarex konnte seit der Kampfansage gegen die Lungenseuche seit 1. Mai bereits um über 40 Prozent zulegen. Andere, vor allem Unternehmen aus der Viren-Technologie, geben Patenterhalte auf mögliche Kandidaten ihrer Produktepipeline bekannt. Vermeintliche Pennystocks, wie das Unternehmen Viragen , wandeln sich als Folge zu gesuchten Investments mit enormen Kursgewinnen. Sie behergeben allerdings auch ein enormes Rückschlagsrisiko.
Pharmasektor im Abwärtstrend
Während der Biotechsektor ungebremst nach oben zieht, setzt der Pharmasektor seinen Abwärtstrend weiter fort. Der AMEX-Pharma-Index hat seit Ende Jahr 2002 5.93 Prozent zugelegt, bis er dann Anfang letzter Woche ausgebremst wurde. Grund für die zum Teil immensen Kursverluste grosser Pharmawerte war ein Gerichtsurteil zugunsten des US-Bundesstaates Maine. Das Urteil stützt das sogenannte Maine Rx-Programm, welches die Möglichkeit gibt, Pharmaunternehmen dazu zu zwingen, die Preise für Medikamente für Menschen ohne Krankenversicherung deutlich zu senken. Die Entscheidung wurde von Investoren genaustens beobachtet, da eine Entscheidung gegen die Pharmabranche, nach dem Preisdruck durch Generika einen weiteren Preiszerfall bei Arzneimittel bedeutet. Entsprechend waren die Reaktionen auf das Urteil. Pfizer , Merck und Johnson & Johnson litten erheblich unter Abgabedruck. Die Angst, dass weitere US-Staaten zur Kostensenkung im Gesundheitswesen ein ähnliches Programm implementieren wollen, halten viele Investoren derzeit von einem Pharmaengagement zurück. Der Pharmasektor ist deshalb mit Untergewichten einzustufen.