Vollständige Version anzeigen : Warum Börse?
J. Bauer
24.11.2004, 12:15
Hi Leute,
aus welchen Gründen werden Firmen eine AG und gehen an die Börse?
Nur aus Haftungsgründen?
Danke!
Joe.
Kai Ullrich
24.11.2004, 12:45
"J. Bauer" <johannesbauer@uni.de> wrote in message
news:co1p44$vc0$1@isis.speedkom.net...
> Hi Leute,
>
> aus welchen Gründen werden Firmen eine AG und gehen an die Börse?
> Nur aus Haftungsgründen?
>
Mein laienhafter Eindruck ist, dass der Gang an die Börse nicht nur Geld in
die Kassen spült, sondern auch dauerhafte Konkurrenzfähigkeit garantiert.
Denn man muss profitabel arbeiten, damit der Kurs nicht in den Keller fällt,
denn mit Kurs im Keller ist man eher auf der Liste der Übernahmekandidaten
als mit hohem Kurs.
Sprich: Die Anteilseigner könnten Interesse daran haben, dass auf diese
Weise die Motivation da ist, dass immer eine gewisse Mindestrendite
erwirtschaftet wird. Denn dann verdienen sie einfach mehr.
Gruß,
Kai
Michael H.
24.11.2004, 13:15
J. Bauer wrote:
> Hi Leute,
>
> aus welchen Gründen werden Firmen eine AG und gehen an die Börse?
> Nur aus Haftungsgründen?
Haftungsgründe sind bestimmt Gründe, warum die Gesellschaftsform AG gewählt
wird.
An die Börse geht man, weil das der leichtest Weg ist die Aktien an eine
breite Masse zu verkaufen.
Sebastian Gansemer
24.11.2004, 15:15
J. Bauer schrieb:
> Hi Leute,
>
> aus welchen Gründen werden Firmen eine AG und gehen an die Börse?
> Nur aus Haftungsgründen?
>
> Danke!
> Joe.
>
>
Wieso Haftungsgründe?
Der wohl wichtigste Grund ist, das sie Kapital (hier Eigenkapital) brauchen.
Christoph Stark
24.11.2004, 16:14
Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
news:30jikfF2vlorbU1@uni-berlin.de:
> Wieso Haftungsgründe?
Weil eine AG eine Kapitalgesellschaft ist und nur mit dem
Gesellschaftsvermögen (Aktiennennwert) haftet.
> Der wohl wichtigste Grund ist, das sie Kapital (hier Eigenkapital)
> brauchen.
Es gibt auch AGs, deren Aktien nicht an einer Börse gehandelt werden.
Einer der Vorteile einer solchen "kleinen" AG gegenüber z.B. einer GmbH:
Gesellschafterwechsel ist viel einfacher möglich.
Sebastian Gansemer
24.11.2004, 16:45
Christoph Stark schrieb:
> Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
> news:30jikfF2vlorbU1@uni-berlin.de:
>
>
>>Wieso Haftungsgründe?
>
>
> Weil eine AG eine Kapitalgesellschaft ist und nur mit dem
> Gesellschaftsvermögen (Aktiennennwert) haftet.
>
>
Eine AG kann aber auch eine AG sein, ohne Börsennotiert zu sein.
Markus Pfefferle
24.11.2004, 17:45
J. Bauer wrote:
> aus welchen Gründen werden Firmen eine AG und gehen an die Börse?
> Nur aus Haftungsgründen?
Damit die einstigen Allein-Eigentümer der Firma, die natürlich einen
bestimmten Aktienbestand selbst behalten, ihr Privatvermögen mehren können -
denn jetzt sind ihre Anteile nicht mehr nur das Wert, was die Firma an
tatsächliches Kapital besitzt, sondern was viele Millionen hirnamputierte
Kleinanleger und Fondsmanager dafür zu verwetten bereit sind (s. Google,
T-Online etc.)
Kaum sind die Kleinanleger klüger geworden, will ja auch kein Unternehmen
mehr an die Börse.
Christoph Stark
24.11.2004, 17:45
Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in news:30jo63F3264dcU1@uni-
berlin.de:
> Eine AG kann aber auch eine AG sein, ohne Börsennotiert zu sein.
Das ist ziemlich genau der Inahlt des zweiten Satzes meines vorhergehenden
Postings.
Sebastian Gansemer
24.11.2004, 21:14
Christoph Stark schrieb:
> Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in news:30jo63F3264dcU1@uni-
> berlin.de:
>
>
>>Eine AG kann aber auch eine AG sein, ohne Börsennotiert zu sein.
>
>
> Das ist ziemlich genau der Inahlt des zweiten Satzes meines vorhergehenden
> Postings.
Ok. Der erste Satz hört sich aber so an, als ob AG´s immer Börsennotiert
sind.
Sebastian Gansemer
24.11.2004, 21:14
Christoph Stark schrieb:
> Einer der Vorteile einer solchen "kleinen" AG gegenüber z.B. einer GmbH:
> Gesellschafterwechsel ist viel einfacher möglich.
Das ist schon richtig. Eine AG hat aber nicht nur Vorteile, denn der
Aufwand int ggü. einer GmbH z.T. erheblich größer, insbesondere dann,
wenn die AG börsennotiert ist.
Thomas Trick
25.11.2004, 08:15
Hallo,
der wichtigste Grund an die Börse zu gehen ist wahrscheinlich die
Kapitalbeschaffung. Daneben spielen auch Bekanntheit und Vertrauen eine
grosse Rolle.
Viele Grüße
Thomas Trick
--
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"J. Bauer" <johannesbauer@uni.de> wrote in message
news:co1p44$vc0$1@isis.speedkom.net...
> Hi Leute,
>
> aus welchen Gründen werden Firmen eine AG und gehen an die Börse?
> Nur aus Haftungsgründen?
>
> Danke!
> Joe.
>
>
Christoph Stark
25.11.2004, 11:15
Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
news:30k6u3F301qevU1@uni-berlin.de:
> Ok. Der erste Satz hört sich aber so an, als ob AG´s immer
> Börsennotiert sind.
Genau welcher Teil des Satzes
"Weil eine AG eine Kapitalgesellschaft ist und nur mit dem
Gesellschaftsvermögen haftet."
hört sich danach an?
Christoph Stark
25.11.2004, 11:45
Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
news:30k70vF301qevU2@uni-berlin.de:
> Das ist schon richtig. Eine AG hat aber nicht nur Vorteile, denn der
> Aufwand int ggü. einer GmbH z.T. erheblich größer, insbesondere dann,
> wenn die AG börsennotiert ist.
Dass eine AG gegenüber anderen Rechtsformen natürlich auch Nachteile hat
(bspw. im Hinblick auf das benötigte Gründungskapital) habe ich nie
bestritten. Dein Beispiel macht aber überhaupt keinen Sinn, denn Du
vergleichst Äpfel mit Birnen. Du musst Deine Aktien als AG ja nicht an
einer Börse notieren lassen. Oder an welche Nachteile dachtest Du, wenn
nicht an die mit der Börsennotierung verknüpften zusätzlichen Auflagen?
Sebastian Gansemer
25.11.2004, 20:15
Christoph Stark schrieb:
> Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
> news:30k6u3F301qevU1@uni-berlin.de:
>
>
>>Ok. Der erste Satz hört sich aber so an, als ob AG´s immer
>>Börsennotiert sind.
>
>
> Genau welcher Teil des Satzes
Les dir mal das ganze Posting durch.
Der OP hat gefragt, ob der Hauptgrund für einen Börsengang
Haftungsgründe sind. Daraufhin habe ich gefragt:"Warum Haftungsgründe",
denn das hat mit einem Börsengang absolut nichts zu tun.
Daraufhin hast du geantwortet: "Weil eine AG eine Kapitalgesellschaft
ist und nur mit dem Gesellschaftsvermögen (Aktiennennwert) haftet.".
Das eine AG eine Kapitalgesellschaft ist dürfte wohl jedem klar sein.
Das diese nur mit dem Gesellschaftsvermögen haftet auch. Das ist
vollkommen unabhängig davon, ob die AG an der Börse notiert ist, oder nicht.
Sebastian Gansemer
25.11.2004, 20:15
Christoph Stark schrieb:
> Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
> news:30k70vF301qevU2@uni-berlin.de:
>
>
>>Das ist schon richtig. Eine AG hat aber nicht nur Vorteile, denn der
>>Aufwand int ggü. einer GmbH z.T. erheblich größer, insbesondere dann,
>>wenn die AG börsennotiert ist.
>
>
> Dass eine AG gegenüber anderen Rechtsformen natürlich auch Nachteile hat
> (bspw. im Hinblick auf das benötigte Gründungskapital) habe ich nie
> bestritten. Dein Beispiel macht aber überhaupt keinen Sinn, denn Du
> vergleichst Äpfel mit Birnen.
Du musst Deine Aktien als AG ja nicht an
> einer Börse notieren lassen. Oder an welche Nachteile dachtest Du, wenn
> nicht an die mit der Börsennotierung verknüpften zusätzlichen Auflagen?
Eine AG bracht immer 3 Organe, den Vorstand, den Aufsichtsrat und die
Hauptversammlung. Das hat zur Folge das z.T. unflexibler handeln kann
als z.B. eine GmbH.
Zudem durfte es bei einer AG nicht möglich sein, diese mit nur einer
Person (wie Ein-Mann GmbH) zu betreiben. Desweiteren schränkt man sich
mit einer AG hinsichtlich der gestaltung der Gesellschafterrechte und
Verträge ggü einer GmbH teilweise erheblich ein.
Desweiteren gelten AFAIK für den Jahrsabschluss einer AG noch besondere
Auflagen, die (zumindest bei einer kleinen GmbH) nicht vorhanden sind.
Wenn es also nur um die Haftungsbeschränkung geht, ist eine GmbH in fast
Fällen besser als eine AG.
Stefan Garmeister
26.11.2004, 10:45
Am Thu, 25 Nov 2004 14:54:51 +0800 hat Thomas Trick
<thomastrick2000@yahoo.com> geschrieben:
> Hallo,
>
> der wichtigste Grund an die Börse zu gehen ist wahrscheinlich die
> Kapitalbeschaffung. Daneben spielen auch Bekanntheit und Vertrauen eine
> grosse Rolle.
Man muss auch nach den Gründen für die Kapitalbeschaffung fragen. Kapital
zur Investition in Wachstum oder aus anderen, weniger positiven Gründen?
Gruß,
Stefan
--
Erstellt mit M2, Operas revolutionärem E-Mail-Modul:
http://www.opera.com/m2/
Christoph Stark
26.11.2004, 12:15
Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
news:30mni2F322tu0U1@uni-berlin.de:
> Der OP hat gefragt, ob der Hauptgrund für einen Börsengang
> Haftungsgründe sind.
Er hat gefragt warum Firmen als AGs gegründet werden und an die Börse
gehen.
> Daraufhin habe ich gefragt:"Warum
> Haftungsgründe", denn das hat mit einem Börsengang absolut nichts zu
> tun.
[...]
> Das eine AG eine Kapitalgesellschaft ist dürfte wohl jedem klar sein.
> Das diese nur mit dem Gesellschaftsvermögen haftet auch. Das ist
> vollkommen unabhängig davon, ob die AG an der Börse notiert ist, oder
> nicht.
Haftungsgründe haben mit dem Börsengang sicherlich nichts zu tun, wohl
aber mit der Wahl der Rechtsform AG. Ginge es ausschließlich um den
Börsengang und spielten Haftungsfragen keine Rolle, käme ja auch noch
eine KGaA in Frage (siehe z.B. Henkel oder Borussia Dortmund). Und ja,
ich weiß dass sich auch hier die Haftung durch ein Kapitalgesellschaften
& Co. Konstrukt beschränken liesse, wiewohl das nicht notwendigerweise
der Fall ist.
Was ich damit aber sagen will, ist dass Haftungsgründe für die Wahl der
Rechtsform AG i.d.R. mitausschlaggebend sein dürften.
Christoph Stark
26.11.2004, 12:45
Sebastian Gansemer <usenet@gansemer.net> wrote in
news:30mofkF32gse5U1@uni-berlin.de:
> Eine AG bracht immer 3 Organe, den Vorstand, den Aufsichtsrat und die
> Hauptversammlung.
Organe der GmbH sind ein oder mehrere Geschäftsführer, eine
Gesellschafterversammlung sowie (fakultativ) ein Aufsichtsrat, der u.U.
aufgrund mitbestimmungsrechtlicher Regelungen zwingend vorgeschrieben
sein kann. Die GmbH braucht also auch mindestens 2 (kleine GmbH) oder 3
(große GmbH) Organe.
> Das hat zur Folge das z.T. unflexibler handeln kann
> als z.B. eine GmbH.
Was kleine Firmen angeht bin ich daher mit Dir d'accord.
> Zudem durfte es bei einer AG nicht möglich sein, diese mit nur einer
> Person (wie Ein-Mann GmbH) zu betreiben.
Entschuldige, aber das ist Schwachfug, eine AG kann genau wie eine GmbH
mit nur einer Person gegründet werden. Siehe §2 AktG
(http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/aktg/). Oder missverstehe ich
das, was Du oben mit "betreiben" meinst?
> Desweiteren schränkt man sich
> mit einer AG hinsichtlich der gestaltung der Gesellschafterrechte und
> Verträge ggü einer GmbH teilweise erheblich ein.
So tief stecke ich in den entsprechenden Gesetzen nicht drin, aber
könntest Du das an ein oder zwei Beispielen belegen?
> Desweiteren gelten AFAIK für den Jahrsabschluss einer AG noch
> besondere Auflagen, die (zumindest bei einer kleinen GmbH) nicht
> vorhanden sind.
Kannst Du mir auch hier ein oder zwei Beispiele nennen? (Und bitte nicht
Publizitätspflichten für börsennotierte AGs und einfache GmbHs
durcheinderwerfen)
> Wenn es also nur um die Haftungsbeschränkung geht, ist eine GmbH in
> fast Fällen besser als eine AG.
Eine abschliessende Empfehlung im Hinblick hierauf traue ich mir weiß
Gott nicht zu. Ich halte nochmal fest, dass ich das Gegenteil auch nie
behauptet habe.
Sebastian Gansemer
26.11.2004, 16:15
Christoph Stark schrieb:
>>Zudem durfte es bei einer AG nicht möglich sein, diese mit nur einer
>>Person (wie Ein-Mann GmbH) zu betreiben.
>
>
> Entschuldige, aber das ist Schwachfug, eine AG kann genau wie eine GmbH
> mit nur einer Person gegründet werden. Siehe §2 AktG
> (http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/aktg/). Oder missverstehe ich
> das, was Du oben mit "betreiben" meinst?
Gründen kann man eine AG mit einer Person (§2 AktG), aber nicht
betreiben, denn der AUfsichtsrat muss immer mind. 3 Mitglieder haben (je
nach Grundkapital). Zudem ist es nicht möglich gleichzeitig
Vorstandsmitglied und Aufsichtsratsmitglied zu sein (§105 AktG).
Man braucht also mindestens 4 Personen, wenn man eine AG betreiben möchte.
>>Desweiteren schränkt man sich
>>mit einer AG hinsichtlich der gestaltung der Gesellschafterrechte und
>>Verträge ggü einer GmbH teilweise erheblich ein.
> So tief stecke ich in den entsprechenden Gesetzen nicht drin, aber
> könntest Du das an ein oder zwei Beispielen belegen?
>
siehe: http://www.finanztip.de/recht/wirtschaftsrecht/hl-boersengang04.htm
>>Desweiteren gelten AFAIK für den Jahrsabschluss einer AG noch
>>besondere Auflagen, die (zumindest bei einer kleinen GmbH) nicht
>>vorhanden sind.
>
>
> Kannst Du mir auch hier ein oder zwei Beispiele nennen? (Und bitte nicht
> Publizitätspflichten für börsennotierte AGs und einfache GmbHs
> durcheinderwerfen)
>
AFAIK muss bei einer AG der Jahresabschluss durch einen
Wirtschaftsprüfer geprüft werden, dies ist bei einer GmbH (zumindest bis
zu bestimmten Größenklassen) nicht erforderlich. Korrigier mich bitte,
wenn ich falsch liege.
>
>>Wenn es also nur um die Haftungsbeschränkung geht, ist eine GmbH in
>>fast Fällen besser als eine AG.
>
>
> Eine abschliessende Empfehlung im Hinblick hierauf traue ich mir weiß
> Gott nicht zu. Ich halte nochmal fest, dass ich das Gegenteil auch nie
> behauptet habe.
Das ist schon richtig, man kann das nicht so pauschalisieren.
Eine AG macht aber in den meisten Fällen erst dann Sinn, wenn bestimmte
Größenordnungen erreicht wurden.