Dynamic Devices Ltd.
26.11.2004, 01:15
In <slrncpgmvv.2dp.nospam@melix.com.mx> Thomas Bliesener schreibt:
>> Wenn das so weiter geht werden wir Zeugen wie eins der
>> groessten Unternehmen durch Egoismus und Dummheit innert
>> weniger Jahre ruiniert wird.
>Der aufgezeigte Verlauf ist sicherlich möglich, aber man sollte sich davor
>hüten, Intel aufgrund der Begeisterung für AMD zu unterschätzen. So ein
>Riesenladen geht nicht so schnell kaputt.
Ich meinte auch nicht, dass sie zur Wand gehen.
Aber es ist traurig zu sehen, wie diese schoene Cash-Reserve
verschwenden. Alles nur wegen der Management Optionen.
Hier ein aktuelles Beispiel:
GROVE, ANDREW S.
Intel Corp
Chairman
15-Oct-04 768,000 INTC Option Exercise at $5.71 per share.
(Cost of $4,385,280)
15-Oct-04 384,000 INTC Sale at $20.58 per share.
(Proceeds of $7,902,719)
15-Oct-04 384,000 INTC Planned Sale
(Estimated proceeds of $7,901,104)
Da hat einer der Chefs also mal schnell ueber seine Optionen
768.000 INTEL-Aktien zu 5,71 gekauft und sie sofort wieder zu
ueber 20 verkauft.
Bezahlt wird das indirekt ueber Aktienrueckkaeufe aus den Gewinnen.
Wer den Trick nicht durchschaut. Hier mal ausfuehrlich:
4.11 Optionen für Management und Belegschaft
Insbesondere im High-Tech-Bereich geben viele Firmen ihren Managern und oft
sogar allen Mitarbeitern gelegentlich oder regelmäßig Optionen zum Bezug von
Aktien der eigenen Firma. Dies soll die Motivation und Firmenbindung erhöhen,
die direkt zu zahlenden Gehälter senken, und dient oft auch dazu, gute
Mitarbeiter bei Konkurrenzfirmen abzuwerben.
Bei diesen Optionen handelt es sich in der Regel um Calls mit einigen
Nebenbedingungen wie z.B. Ausübung frühestens nach 12 Monaten und spätestens
nach 24 Monaten. Der Bezugskurs wird oft nachträglich nach dem
durchschnittlichen Börsenkurs der Aktie in einem bestimmten Zeitraum oder
irgendwie leistungsabhängig bestimmt (z.B. gemessen am Gewinn oder Börsenkurs
der Firma).
In der Praxis sieht das dann so aus, dass die Mitarbeiter oft ein nur
bescheidenes Gehalt bekommen, und dafür die Chance haben, durch ihre Optionen
reich zu werden, wenn sich die Firma gut entwickelt. Solange die Kurse steigen
und steigen klappt das auch. Bei z.B. Microsoft oder Amazon.com sollen durch
diese System selbst einfache Mitarbeiter trotz dürftigem Gehalt Millionär
geworden sein, jedenfalls zeitweise. Bei jahrelang schlechten Kursen schlägt
dieses Motivationssystem dann aber oft ins Gegenteil um, und manche Firma musste
dann schon mit trickreichen Begründungen nachträglich der Bezugskurse der
Mitarbeiteroptionen herabsetzen, um zu verhindern, dass die Mitarbeiter
meuterten oder zur Konkurrenz überliefen.
Analysiert man das ganze System einmal genau, so zeigt sich, dass es zumindest
teilweise auf Täuschung der Anleger beruht. Denn dank der Optionen können die
Firmen ihre offiziellen Lohnkosten niedrig halten. Das erhöht den Gewinn der
Firma, und deshalb steigt der Aktienkurs. Nun üben die Mitarbeiter ihre Optionen
aus und holen sich so den Rest ihres Lohnes über steigende Aktienkurse, also von
den Anlegern, die neu einsteigen.
Viele Firmen wie z.B. Microsoft haben dieses System aber noch weiter
"perfektioniert". Sie machen offiziell hohe Gewinne, zahlen aber keine oder nur
geringe Dividenden an ihre Aktionäre. Stattdessen wird regelmäßig ein
erheblicher Teil des Gewinns zu Aktienrückkäufen benutzt, mit der Begründung,
damit wolle man zugunsten der Aktionäre den Aktienkurs verbessern. Bedenkt man
nun, dass gleichzeitig massenhaft schlecht bezahlte Mitarbeiter ihre
Firmenoptionen ausüben, dann wird klar, dass ein beträchtlicher Teil des zum
Aktienrückkauf benutzten Gewinns auf diese Art in die Taschen der Mitarbeiter
fließt.
Merken Sie etwas? Normalerweise mindern Lohnkosten ja den Gewinn, und damit
indirekt Attraktivität und Aktienkurs der Firma. Bei der
"Firmen-Options-Methode" dagegen erscheinen Teile der Lohnkosten zuerst als
Gewinn und werden erst später heimlich über den Weg eines Aktienrückkaufs als
"Ausgleich für eigentlich zu niedrige Löhne" zu den Mitarbeitern umgeleitet.
Es kann sich dabei übrigens um ganz gewaltige Beträge handeln. INTEL z.B. hat
von 1990 bis 2001 für rund US$ 26 Milliarden eigene Aktien zurückgekauft. Im
gleichen Zeitraum haben sie nur einen Bruchteil dieses Betrags an Dividenden
ausgezahlt. Und wegen der vielen Aktiensplits erhöhte sich die Anzahl der
umlaufenden Aktien trotz dieser Rückkäufe.
In vielen Ländern wie z.B. den USA müssen Manager sofort melden, wenn sie Aktien
ihrer eigenen Firma kaufen oder verkaufen. Entsprechende Listen der
"Insider-Käufe" findet man z.B. im Internet. Leider ist diesen Listen oft nicht
zu entnehmen, ob es sich um normale Käufe bzw. Verkäufe oder um Transaktionen im
Zusammenhang mit Firmenoptionen handelt. Man sollte den Wert solcher
Informationen deshalb nicht überbewerten ("wenn die Chefs Aktien ihrer eigene
Firma verkaufen muss es schlecht aussehen"). Bedenken Sie: Wenn jemand 80%
seiner Bezahlung in Form von Optionen bekommt, dann muss er immer wieder Aktien
verkaufen um seine Steuern zu bezahlen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ja, er muss schon deshalb regelmäßig einige seiner alten Aktien verkaufen, um
genug Liquidität zu erhalten, um seine neuen Optionen auszuüben. Denn auch der
Chef bekommt seine neuen Aktien zwar zum Vorzugspreis, aber eben nicht umsonst.
Jetzt soll noch der Ausdruck "Diluted Profit" erklärt werden: Als
fortgeschrittener Anleger kennen Sie sicherlich Kennzahlen wie den Gewinn je
Aktie. Macht eine AG einen Gewinn von 1 Million und es gibt 2 Million Aktien von
dieser Firma, dann errechnet sich ein Gewinn je Aktie von 0,50.
Nehmen wir nun an, diese Firma hat auch noch Optionen auf 1 Millionen weitere
Aktien ausgegeben. Ob das Optionen für eigene Manager oder z.B. Wandelanleihen
für Anleger sind, spielt keine Rolle. Jedenfalls kann man sich auf den
Standpunkt stellen, dass es von dieser Firma dadurch nicht nur 2 Millionen,
sondern potenziell 3 Millionen Aktien gibt. Bei einer Million Gewinn wäre das
dann nur noch ein Gewinn ("diluted profit") von etwa 0,33 je Aktie. Ganz genau
lässt sich dieser Wert übrigens nicht bestimmen, denn wenn die Optionen ausgeübt
werden erhält die Firma ja Geld für die neuen Aktien, und dadurch erhöht sich
vermutlich auch der Gewinn (weil z.B. Kredite abgelöst werden und somit weniger
Zinsen gezahlt werden müssen).
Nach den Ausführungen in diesem Kapitel werden Sie erahnen, welche großen
Möglichkeiten es gibt, um die Erfolgszahlen einer Firma völlig legal ganz nach
Bedarf "hinzubiegen".
--
--
Dino Warner
Visit http://members.aol.com/ddsoft and download a
free calculator for options, futures, bonds and similar stuff
>> Wenn das so weiter geht werden wir Zeugen wie eins der
>> groessten Unternehmen durch Egoismus und Dummheit innert
>> weniger Jahre ruiniert wird.
>Der aufgezeigte Verlauf ist sicherlich möglich, aber man sollte sich davor
>hüten, Intel aufgrund der Begeisterung für AMD zu unterschätzen. So ein
>Riesenladen geht nicht so schnell kaputt.
Ich meinte auch nicht, dass sie zur Wand gehen.
Aber es ist traurig zu sehen, wie diese schoene Cash-Reserve
verschwenden. Alles nur wegen der Management Optionen.
Hier ein aktuelles Beispiel:
GROVE, ANDREW S.
Intel Corp
Chairman
15-Oct-04 768,000 INTC Option Exercise at $5.71 per share.
(Cost of $4,385,280)
15-Oct-04 384,000 INTC Sale at $20.58 per share.
(Proceeds of $7,902,719)
15-Oct-04 384,000 INTC Planned Sale
(Estimated proceeds of $7,901,104)
Da hat einer der Chefs also mal schnell ueber seine Optionen
768.000 INTEL-Aktien zu 5,71 gekauft und sie sofort wieder zu
ueber 20 verkauft.
Bezahlt wird das indirekt ueber Aktienrueckkaeufe aus den Gewinnen.
Wer den Trick nicht durchschaut. Hier mal ausfuehrlich:
4.11 Optionen für Management und Belegschaft
Insbesondere im High-Tech-Bereich geben viele Firmen ihren Managern und oft
sogar allen Mitarbeitern gelegentlich oder regelmäßig Optionen zum Bezug von
Aktien der eigenen Firma. Dies soll die Motivation und Firmenbindung erhöhen,
die direkt zu zahlenden Gehälter senken, und dient oft auch dazu, gute
Mitarbeiter bei Konkurrenzfirmen abzuwerben.
Bei diesen Optionen handelt es sich in der Regel um Calls mit einigen
Nebenbedingungen wie z.B. Ausübung frühestens nach 12 Monaten und spätestens
nach 24 Monaten. Der Bezugskurs wird oft nachträglich nach dem
durchschnittlichen Börsenkurs der Aktie in einem bestimmten Zeitraum oder
irgendwie leistungsabhängig bestimmt (z.B. gemessen am Gewinn oder Börsenkurs
der Firma).
In der Praxis sieht das dann so aus, dass die Mitarbeiter oft ein nur
bescheidenes Gehalt bekommen, und dafür die Chance haben, durch ihre Optionen
reich zu werden, wenn sich die Firma gut entwickelt. Solange die Kurse steigen
und steigen klappt das auch. Bei z.B. Microsoft oder Amazon.com sollen durch
diese System selbst einfache Mitarbeiter trotz dürftigem Gehalt Millionär
geworden sein, jedenfalls zeitweise. Bei jahrelang schlechten Kursen schlägt
dieses Motivationssystem dann aber oft ins Gegenteil um, und manche Firma musste
dann schon mit trickreichen Begründungen nachträglich der Bezugskurse der
Mitarbeiteroptionen herabsetzen, um zu verhindern, dass die Mitarbeiter
meuterten oder zur Konkurrenz überliefen.
Analysiert man das ganze System einmal genau, so zeigt sich, dass es zumindest
teilweise auf Täuschung der Anleger beruht. Denn dank der Optionen können die
Firmen ihre offiziellen Lohnkosten niedrig halten. Das erhöht den Gewinn der
Firma, und deshalb steigt der Aktienkurs. Nun üben die Mitarbeiter ihre Optionen
aus und holen sich so den Rest ihres Lohnes über steigende Aktienkurse, also von
den Anlegern, die neu einsteigen.
Viele Firmen wie z.B. Microsoft haben dieses System aber noch weiter
"perfektioniert". Sie machen offiziell hohe Gewinne, zahlen aber keine oder nur
geringe Dividenden an ihre Aktionäre. Stattdessen wird regelmäßig ein
erheblicher Teil des Gewinns zu Aktienrückkäufen benutzt, mit der Begründung,
damit wolle man zugunsten der Aktionäre den Aktienkurs verbessern. Bedenkt man
nun, dass gleichzeitig massenhaft schlecht bezahlte Mitarbeiter ihre
Firmenoptionen ausüben, dann wird klar, dass ein beträchtlicher Teil des zum
Aktienrückkauf benutzten Gewinns auf diese Art in die Taschen der Mitarbeiter
fließt.
Merken Sie etwas? Normalerweise mindern Lohnkosten ja den Gewinn, und damit
indirekt Attraktivität und Aktienkurs der Firma. Bei der
"Firmen-Options-Methode" dagegen erscheinen Teile der Lohnkosten zuerst als
Gewinn und werden erst später heimlich über den Weg eines Aktienrückkaufs als
"Ausgleich für eigentlich zu niedrige Löhne" zu den Mitarbeitern umgeleitet.
Es kann sich dabei übrigens um ganz gewaltige Beträge handeln. INTEL z.B. hat
von 1990 bis 2001 für rund US$ 26 Milliarden eigene Aktien zurückgekauft. Im
gleichen Zeitraum haben sie nur einen Bruchteil dieses Betrags an Dividenden
ausgezahlt. Und wegen der vielen Aktiensplits erhöhte sich die Anzahl der
umlaufenden Aktien trotz dieser Rückkäufe.
In vielen Ländern wie z.B. den USA müssen Manager sofort melden, wenn sie Aktien
ihrer eigenen Firma kaufen oder verkaufen. Entsprechende Listen der
"Insider-Käufe" findet man z.B. im Internet. Leider ist diesen Listen oft nicht
zu entnehmen, ob es sich um normale Käufe bzw. Verkäufe oder um Transaktionen im
Zusammenhang mit Firmenoptionen handelt. Man sollte den Wert solcher
Informationen deshalb nicht überbewerten ("wenn die Chefs Aktien ihrer eigene
Firma verkaufen muss es schlecht aussehen"). Bedenken Sie: Wenn jemand 80%
seiner Bezahlung in Form von Optionen bekommt, dann muss er immer wieder Aktien
verkaufen um seine Steuern zu bezahlen und seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Ja, er muss schon deshalb regelmäßig einige seiner alten Aktien verkaufen, um
genug Liquidität zu erhalten, um seine neuen Optionen auszuüben. Denn auch der
Chef bekommt seine neuen Aktien zwar zum Vorzugspreis, aber eben nicht umsonst.
Jetzt soll noch der Ausdruck "Diluted Profit" erklärt werden: Als
fortgeschrittener Anleger kennen Sie sicherlich Kennzahlen wie den Gewinn je
Aktie. Macht eine AG einen Gewinn von 1 Million und es gibt 2 Million Aktien von
dieser Firma, dann errechnet sich ein Gewinn je Aktie von 0,50.
Nehmen wir nun an, diese Firma hat auch noch Optionen auf 1 Millionen weitere
Aktien ausgegeben. Ob das Optionen für eigene Manager oder z.B. Wandelanleihen
für Anleger sind, spielt keine Rolle. Jedenfalls kann man sich auf den
Standpunkt stellen, dass es von dieser Firma dadurch nicht nur 2 Millionen,
sondern potenziell 3 Millionen Aktien gibt. Bei einer Million Gewinn wäre das
dann nur noch ein Gewinn ("diluted profit") von etwa 0,33 je Aktie. Ganz genau
lässt sich dieser Wert übrigens nicht bestimmen, denn wenn die Optionen ausgeübt
werden erhält die Firma ja Geld für die neuen Aktien, und dadurch erhöht sich
vermutlich auch der Gewinn (weil z.B. Kredite abgelöst werden und somit weniger
Zinsen gezahlt werden müssen).
Nach den Ausführungen in diesem Kapitel werden Sie erahnen, welche großen
Möglichkeiten es gibt, um die Erfolgszahlen einer Firma völlig legal ganz nach
Bedarf "hinzubiegen".
--
--
Dino Warner
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