Europas Börsen schließen schwächer - Nur Rohstoff-Werte gesucht

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Dioxin – 21. August 2008 – 17:31
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DJ Europas Börsen schließen schwächer - Nur Rohstoff-Werte gesucht

FRANKFURT (Dow Jones)--Schwache Finanzwerte haben die europäischen Börsen am Donnerstag erneut nach unten gezogen. Der Euro-Stoxx-50 fiel um 1,4% oder 46 auf 3.249 Punkte. Der Stoxx-50 gab dank starker Minenwerte nur um 1% oder 28 auf 2.819 Punkte nach. Alle Länderbörsen schlossen mit Kursverlusten. Bei den Branchen schafften lediglich die Rohstoffwerte und der Öl-und-Gas-Sektor den Sprung in den grünen Bereich. "Die Erholung am Mittwoch war ein Strohfeuer", sagte ein Händler. Neu aufgeflammte Ängste um die US-Finanzkrise und der Sprung des Ölpreises über die Marke von 120 USD vereitelten jeden Erholungsversuch.

Zudem zeichneten die europäischen Einkaufsmanagerdaten kein positives Bild für die weitere Entwicklung der europäischen Wirtschaft. Für etwas Entlastung sorgten die US-Konjunkturdaten am Nachmittag: So fiel der Philadelphia-Fed-Index im August etwas besser als erwartet aus. "Vor allem ist die Subkomponente der bezahlten Preise deutlich zurückgekommen und die Beschäftigung dafür angezogen", sagte ein Händler. Dies seien klar positive Signale. Allerdings lagen die US-Frühindikatoren etwas unter Erwartung und beide Datensätze notierten weiterhin im Minusbereich. Die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen indes im erwarteten Rahmen. Technische Analysten sehen den Euro-Stoxx-50 weiter bei 3.200 Punkten unterstützt.

Einzelhandel unter Druck - Discounter gewinnen gegen Warenhäuser

Die am Morgen veröffentlichten europäischen Einkaufsmanagerdaten zeigten ein negatives Bild für die weitere Entwicklung der europäischen Wirtschaft. Mit 47,3 Punkten schaffte der Index im Monat August erneut nicht den Sprung in den expansiven Bereich. Zudem zeigten britische Einzelhandelsumsätze im Juli, dass der leichte Konsumanstieg lediglich auf Discount-Ketten, nicht aber Warenhäusern, beruhte. Hiervon wurden die klassischen Einzelhandelstitel belastet: Carrefour fielen um 3,1% auf 33,75 EUR, Metro um 2,1% auf 36,40 EUR und PPR Pinault-Printemps gaben um 2,9% auf 74 EUR glatt nach. Bei den Nicht-Indexmitgliedern brachen Praktiker sogar um 3,6% auf ein Allzeittief bei 9,38 EUR ein. Ebenso Arcandor, die ihr neues Allzeittief mit minus 9,7% erreichten.

Minenwerte erneut gesucht

Minenwerte und der Sektor der Basic Ressources stiegen hingegen um 2,7% im Schnitt. Für den Kursanstieg wurden in erster Linie die rapide steigenden Preise für die Industriemetalle Kupfer, Aluminium und Zink verantwortlich gemacht. Anglo American stiegen um 2,2% auf 2818 p, nachdem S&P Equity Research die Aktie zudem auf "Strong Buy" hochgestuft hat. AngloAmerican stiegen 2,2%, Rio Tinto erhöhten sich sogar um 3,1%.

Banken erneut mit Finanzkrise im Fokus

Banken und Versicherer zählten zu den größten Verlierern des Tages: Der Sektor-Index brach um 2,1% ein. Nach dem Ende der Berichtssaison rückte erneut die US-Finanzkrise in den Fokus. In einem Marktkommentar der Deutschen Bank hieß es, die US-Krise stehe weiter im Mittelpunkt des Interesses. Bei Fannie Mae und Freddie Mac drohe weiterhin eine "Bruchlandung". Die Fed favorisiere die Verstaatlichung und später die Privatisierung. "Für die Investoren heißt das: erst einmal Totalverlust und später dann wieder der Einstieg in alte Werte - mit neuem Geld versteht sich", so der Kommentar. Unter anderem verloren Intesa 3,7% und Fortis fielen um 3,4%. Die französischen und schweizerischen Investmentbanken gaben je rund 2,6% ab. Lediglich UBS schlossen auf Vortagesnivau.

Kaum Gewinner im Technologie-Sektor

Auch Technologiewerte standen nicht auf der Einkaufsliste: Der Branchen-Index gab um 0,3% nach. Ericsson und STMicroelectronics ragten allerdings als Gewinner hervor. STM stiegen 0,8% auf 8,37 EUR und Ericsson 2,1% auf 67,20 EUR. Grund war die Ankündigung eines Joint-Ventures für Mobil-Chips. Analysten wie bei Lehman Brothers sahen dies als eine "positive, langfristige Entscheidung, die ihre Position als Nummer Drei im wettbewerbsintensiven Mobil-Chip-Markt absichert". Daher dürfte diese neue Partnerschaft Konsolidierungsdruck auch auf die Mitbewerber ausüben.

Europäische Schlussindizes am Donnerstag, den 21. August:
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Index Schluss- Veränd. Veränd. Veränd.
stand abs. in % seit Jahresbeginn
DJ Europe EuroSTOXX50 3248,92 -46,36 -1,41 -26,16
STOXX 50 2818,87 -27,86 -0,98 -23,48
STOXX 600 278,44 -2,32 -0,83 -23,64
London FTSE 100 5370,20 -1,60 -0,03 -16,83
Frankfurt Xetra DAX 6236,96 -80,84 -1,28 -22,69
Paris CAC40 4304,61 -61,26 -1,40 -23,32
Amsterdam AEX 400,23 -2,36 -0,59 -22,40
Athen ASE 3268,81 -43,74 -1,32 -36,88
Brüssel BEL-20 2970,91 -29,61 -0,99 -28,02
Kopenhagen KFX 409,54 1,07 0,26 -11,76
Dublin ISEQ 4203,63 -93,74 -2,18 -39,38
Helsinki HEX 8359,86 -11,82 -0,14 -27,92
Istanbul IMKB-100 39569,58 -231,77 -0,58 -28,75
Lissabon PSI General 2805,81 3,97 0,14 -31,96
Madrid IBEX 35 11217,40 -162,50 -1,43 -26,12
Mailand S&P/MIB 27758 -390 -1,39 -28,00
Oslo OBX Stock 485,07 10,03 2,11 -14,90
Prag PX 1440,30 0,30 0,02 -20,65
Moskau RTS 1722,41 8,91 0,52 -24,80
Wien ATX 3481,18 -14,19 -0,41 -22,86
Zürich SMI 7000,53 -99,48 -1,40 -17,49
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