UPDATE2: Metro-Aktie verliert nach durchwachsenem 2. Quartal

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Dioxin – 2. August 2010 – 12:31

DJ UPDATE2: Metro-Aktie verliert nach durchwachsenem 2. Quartal

(NEU: Weitere Aussagen aus der Pressekonferenz, Marktreaktion)

Von Natali Schwab

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Die Metro AG hat gemischte Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Zwar kommt der drittgrößte Handelskonzern nach Wal-Mart und Carrefour mit seinem Restrukturierungsprogramm "Shape 2012" weiter voran, was sich in einem höheren operativen Ergebnis im Berichtszeitraum niederschlug. Unter dem Strich verdiente Metro jedoch für viele Marktbeobachter überraschend weniger - vorgezogene Kosten für "Shape" sowie ein verschlechtertes Finanzergebnis waren der Grund dafür. Die Aktie gab am Montag daraufhin nach - trotz eines optimistischeren Tons des Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes für das laufende Jahr.

Er sei "zuversichtlich", 2010 bei einem gleichbleibenden Marktumfeld ein EBIT vor Sonderfaktoren auf dem Vorkrisenniveau von 2,2 Mrd EUR zu erreichen, sagte Cordes am Montag in Düsseldorf nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen. Zuletzt hatte er noch erklärt, "bei günstiger Entwicklung" schon 2010 "fast wieder" das Vorkrisenniveau erreichen zu können.

Der Umsatz soll weiter über dem Vorjahresniveau liegen, wurden frühere Aussagen bekräftigt. Bei "Shape" will Metro schneller voranschreiten als geplant. Ursprünglich für 2011 vorgesehene Kosten will der Konzern zum Teil vorziehen; im Gegenzug kommen Einsparungen nach Aussage des Finanzvorstandes Olaf Koch drei bis sechs Monate früher zum Tragen. Die großen Restrukturierungsthemen sollen Ende 2010 abgearbeitet sein. Derzeit wird zum Beispiel über eine Neuorganisation in der IT und dem Rechnungswesen verhandelt. Geplant ist eine Bündelung an einzelnen Standorten, etwa in Osteuropa. Ein Outsourcing an Dritte soll es nach Aussagen des Finanzvorstandes dabei nicht geben.

Die 2010 zu verbuchenden außerordentlichen Belastungen könnten leicht über 200 Mio EUR liegen, schätzte Koch. Bislang hat Metro angekündigt, im laufenden Jahr 170 Mio EUR an Sonderkosten zu verbuchen. Dafür fielen 2011 geringere Belastungen an, ursprünglich waren im kommenden Jahr 130 Mio EUR budgetiert. An den Gesamtkosten von 650 Mio EUR soll sich nichts ändern. Die Aktie notierte am Montagmittag mit 1,4% im Minus bei 42 EUR und damit gegen den Trend im DAX, der um 1,7% zulegte. Analysten bezeichneten die Zahlen als durchwachsen, Umsatz und EBIT vor Sonderfaktoren lagen im Rahmen der Erwartungen; das Nettoergebnis lag jedoch deutlich unter den Schätzungen.

Das Nettoergebnis sank im Quartal auf 44 (52) Mio EUR. Die Kosten für "Shape" lagen bei 82 (68) Mio EUR. Das Finanzergebnis verschlechterte sich aufgrund höherer Zinsaufwendungen auf minus 164 (minus 143) Mio EUR. Analysten hatten hingegen mit einer spürbaren Verbesserung gerechnet. Das EBIT vor Sonderfaktoren stieg hingegen auf 334 (316) Mio EUR. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten mit 330 Mio EUR gerechnet. "Shape" hat im ersten Halbjahr knapp 200 Mio zum EBIT beigetragen; im zweiten Quartal mit 103 Mio EUR etwas mehr als in den ersten drei Monaten.

Die Marktentwicklung im zweiten Quartal sei in vielen europäischen Ländern verhalten gewesen, berichtete Cordes. Der Rückenwind durch ein verbessertes wirtschaftlichen Umfeldes habe weiter gefehlt. Der Umsatz erhöhte sich im Konzern um 2,4% auf 15,7 Mrd EUR. Die Konsensprognose lautete hier auf 15,767 Mrd EUR. Der französische Konkurrent Carrefour hatte bereits Mitte Juli Zahlen zur Umsatzentwicklung im zweiten Quartal vorgelegt und über ein Umsatzwachstum von 6,3% auf 24,9 Mrd EUR berichtet. Wal-Mart veröffentlicht die Zahlen am 17. August.

Ein starkes Umsatzwachstum zeigte im Quartal die Metro-Tochter Media Markt/Saturn mit einem Plus von 9,3%, auch angetrieben durch verbesserte Verkäufe in Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft. Metro profitierte von einem stärkeren Wachstum im internationalen Geschäft, das um 5,4% zulegte. Hier schlugen positive Währungseffekte zu Buche, um diese Faktoren bereinigt lag das Wachstum bei 1,8%. Der Anteil des Auslandsgeschäfts erhöhte sich zum 30. Juni auf 61,9% (60,1%).

In Deutschland war der Umsatz um 2,2% rückläufig. Hier machte die Verschiebung des Ostergeschäfts in das erste Quartal, die kalte Witterung im April und Mai sowie deflationäre Tendenzen im Lebensmittelbereich bemerkbar. Hinzu kamen Standortabgaben. Bei den beiden am stärksten von der Restrukturierung betroffenen Vertriebslinien Cash & Carry Deutschland und Real habe es weitere Fortschritte gegeben, so der Vorstandsvorsitzende. "Die Baustelle Real wird zunehmend kleiner", sagte Cordes. Aufgrund der guten Entwicklung hat sich Metro daher entschlossen, von den geplanten 33 Filialen "nur" 27 zu schließen.

Auch bei Cash & Carry Deutschland sei eine Stabilisierung der Kosten erreicht. Margenschwaches Geschäft werde kontinuierlich zurückgefahren. Die Vertriebslinie erzielte insgesamt nach mehreren Quartalen mit Umsatzverlusten im zweiten Quartal wieder ein Wachstum von 0,6%. Operativ erzielten alle Bereiche mit Ausnahme von Media Markt/Saturn Verbesserungen, Real und Galeria Kaufhof reduzierten ihre Verluste. Das auf 41 (55) Mio EUR gesunkene EBIT vor Sonderposten bei Media Markt/Saturn lag nach Angaben des Management an gestiegenen Anlaufkosten für das China-Geschäft, den Online-Auftritt sowie die Eigenmarkenstrategie. Der Rückgang sei kein Indikator für die Entwicklung des Gesamtjahres, hieß es.

Metro selbst bezeichnete die Geschäftsentwicklung insgesamt als "solide" und erhöhte das Investitionsbudget für 2010 auf 2,1 (zuvor 1,9) Mrd EUR und damit fast auf Vorkrisenniveau. Insgesamt plant Metro, im laufenden Jahr mehr als 95 neue Standorte zu eröffnen. Schwerpunkte des Wachstums sollen Osteuropa und Asien sein sowie die Vertriebslinien Cash & Carry sowie Media Markt/Saturn. Im ersten Halbjahr wurden 28 Standorte eröffnet und 43 geschlossen bzw. verwertet. Davon entfallen im zweiten Quartal 17 Eröffnungen und 29 Schließungen.

Nichts neues gab es zum Thema Kaufhof-Verkauf. Metro werde abwarten, was mit dem insolventen Wettbewerber Karstadt passiere, bekräftigte Cordes frühere Aussagen. In der zweiten Jahreshälfte werde dann entschieden, mit welcher "Intensität" die Gespräche über einen Verkauf des Kaufhofs fortgeführt werden sollen. Weiterhin stehe Metro nicht unter Druck, das Warenhausgeschäft zu veräußern.

Webseite: www.metrogroup.de

-von Natali Schwab, Dow Jones Newswires,

+49 69 29725119, [email protected]

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