Digitalisierung – Teil 2 – Ist die Digitalisierung ein Jobkiller?

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Seitdem der Begriff Digitalisierung für die Modernisierung der Industrie verwendet wird, ist die Angst vor Arbeitsplatzverlusten präsent. Menschen haben Angst ihren Arbeitsplatz durch effiziente Roboter oder intelligente Computersysteme zu verlieren. Die Industrie 4.0 stellt neue Jobanforderungen und viele Arbeitnehmer wissen nicht, ob ihr Arbeitsplatz davon betroffen ist.

Immer wieder werden düstere Prognosen für die Zukunft der Arbeit entwickelt. In der Zukunft werden Roboter die Menschen in der Fertigung ersetzen und einfache Tätigkeiten übernehmen. Künstliche Intelligenz und digitale Assistenten werden den Dienstleistungssektor übernehmen und fahrerlose Fahrzeuge werden den Transport von Waren und Personen übernehmen.

Der Philosoph Richard David Precht ist sich sicher, die Digitalisierung werde Millionen Arbeitsplätze kosten. Selbst Arbeitsplätze in der IT seien bedroht, versichert er. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wurden ähnlich düstere Zukunftsszenarien entworfen, rund 5 Millionen Arbeitsplätze sollen wegen der Digitalisierung bis in das Jahr 2020 wegfallen.

Die Digitalisierung als Zukunftschance

Viele Experten sehen die Digitalisierung nicht als Jobkiller, sondern als eine Veränderung des Arbeitsmarkts. Die voll digitalisierte Arbeitswelt wird bis 2035 über 1,5 Millionen Arbeitsplätze ersetzen, in der Summe könnte der Arbeitsmarkt aber von der Digitalisierung sogar profitieren, behauptet Björn Christensen vom Kieler Kompetenzzentrum für Fachkräftesicherung.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Bundesverband der Industrie (BDI) haben wiederholt in Studien festgestellt, dass es keine massiven Jobverluste geben wird. Laut Ihnen wird in den meisten Studien ausgelassen, dass die modernen Technologien auch neue Arbeitsplätze generieren. Außerdem sind viele technischen Lösungen zwar umsetzbar, um Arbeitsplätze zu ersetzen, sie aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen wohl nie stattfinden. Eine computergesteuerte Maschine wäre durchaus in der Lage jeden Morgen viele verschiedene Brotarten herzustellen und an die Kunden durch einen Automaten auszugeben. Wir alle ziehen aber noch die Verkäuferin vor und das handgemachte Brot der Bäcker.

Durch die Digitalisierung werden 2,1 Millionen Arbeitsplätze entstehen!

Der Arbeitsminister Hubertus Heil erklärte in einem Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass in den kommenden sieben Jahren 1,3 Millionen Arbeitsplätze durch die Digitalisierung wegfallen würden. Im gleichen Zeitraum werden aber auch 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen.

In dem Fachkräftemonitor des Arbeitsministeriums wird die Digitalisierung als einer der wichtigsten Einflüsse auf die Arbeitswelt bezeichnet. Sie wird in Zukunft einen wichtigen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben, die aber auch durch andere Faktoren einen Strukturwandel verursachen wird. Einen anderen wichtigen Einfluss hat die Anzahl der Erwerbspersonen, die durch eine alternde Gesellschaft zur Verfügung stehen werden. Rein rechnerisch werden dem Arbeitsmarkt im Jahre 2035 nur noch 45,4 Millionen Erwerbspersonen zur Verfügung stehen, rund eine Million Personen weniger, als zehn Jahre zuvor.

Welche Berufe werden durch die Digitalisierung ersetzt?

Die Digitalisierung betrifft vor allen Dingen die Helfertätigkeiten, die in Zukunft zu 58 Prozent durch die Digitalisierung ersetzt werden können, stellte das IAB-Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit fest. Für Berufe, die ein vierjähriges Studium voraussetzen, sind es nur noch 24 Prozent. Den größten Impact kann die Modernisierung aber in der Fertigung auslösen, dort sind 83 Prozent der Arbeitsplätze durch die Digitalisierung gefährdet. In Fertigungstechnischen Berufen liegt der Anteil noch bei 70 Prozent.

Der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung wird vor allen Dingen die unqualifizierten Tätigkeiten ablösen, deshalb sind die Weiterbildungsmaßnahmen heute wichtiger, als jemals zuvor.

In der Zukunft werden vor allen Dingen IT-Spitzenkräfte, Dienstleister und Handwerker benötigt. Besonders im Handwerk gibt es viele Berufe, die Computer und Roboter nie übernehmen werden können. Ein Roboter wir nie in der Lage sein, eine Heizung zu reparieren, oder effektiv eine Wohnung zu streichen.

Im Prinzip werden Menschen dort überflüssig, wo sie nichts mehr organisieren oder kontrollieren müssen. Deswegen sieht die Unternehmensberatung die Situation für Deutschland auch vergleichsweise positiv. Die Experten sehen einen größeren Impact in dem Transportsektor und bei der Logistik. In anderen Branchen, wie in der Technologie, den Medien und in der Telekommunikation, werden mehr Arbeitskräfte benötigt. Auch die Situation der Hochschulabsolventen wird sich laut der Studie verbessern, bis 2030 werden in Deutschland mindestens zwei Millionen Akademiker benötigt. In einigen Bereichen sieht das Institut es sogar positiv, das Arbeitsplätze wegfallen. In dem Umgang mit gefährlichen Stoffen und in der chemischen Industrie hat die Digitalisierung grundsätzlich positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Fazit

Die Digitalisierung wird einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren haben. Besonders niedrig qualifizierte Berufe werden davon betroffen sein, in hochqualifizierten Berufen wird die Nachfrage eher steigen. Im Prinzip wird die Digitalisierung eher mehr Arbeitsplätze schaffen und wird ihrem Ruf als Jobkiller nicht gerecht. In den nächsten Jahren wird die Arbeitswelt einen Strukturwandel durchmachen, der sich prinzipiell nicht schlecht auf den Arbeitsmarkt auswirken wird.

Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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