Wirecard – jetzt zeigt auch die Bafin Journalisten der Financial Times an

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Heute hat die Bafin bekannt gegeben, dass bei der Staatsanwaltschaft München gegen ein Dutzend Personen Strafanzeige im Fall Wirecard gestellt wurde.

Gegenüber dem Spiegel hat die Bafin heute bestätigt, dass gegen Journalisten der britischen Finanzzeitung Financial Times Strafanzeige wegen Manipulation von Aktienkursen gestellt wurde. Die Aufseher verdächtigen die Journalisten, mit mehreren Fonds gemeinsam wegen Short-Attacken die Wirecard-Aktie manipuliert zu haben.

Wie wir schon vorher berichtet haben, hat die Financial Times vom 30. Januar an Artikel von dem Journalisten Dan McCrum veröffentlicht, in denen schwere unbegründete Vorwürfe gegen Wirecard erhoben wurden. In denen sollen Mitarbeiter des Münchner Unternehmens der Singapurer Zentrale vorgeworfen haben, Verträge gefälscht und damit die Bilanzen frisiert zu haben. Trotz schwerwiegender Vorwürfe hat die Finanzzeitung und der Autor Dan McCrum keine eindeutigen Beweise geliefert.

Der Börsenwert des Unternehmens verlor zeitwiese bis zu acht Milliarden Euro. Die Financial Times veröffentlichtet im Februar und März weitere Artikel, in denen die Vorwürfe präzisiert und ausgeweitet wurden.

Leerverkäufe der Wirecard Aktien weisen auf Insiderwissen hin!

Die Anzeige der Bafin basiert auf den Handelsaktivitäten an den Börsen und der Veröffentlichung der Artikel der Finanzzeitung. Es sollen schon vor der Veröffentlichung der Artikel von Dan McCrum große Mengen an Leerverkaufspositionen aufgebaut worden sein. Bei Leerverkäufen leihen sich Anleger Aktien eines Unternehmens, verkaufen sie zu einem hohen Preis und hoffen darauf, dass der Preis fällt und sie die geliehenen Aktien zu einem niedrigeren Preis wieder ankaufen können. Der Unterschied zwischen dem normalen Preis und dem gefallenen Kurs, wird als Gewinn eingestrichen.

Bei der Anzeige der Bafin geht es nicht um den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen der veröffentlichten Artikel. Die Finanzaufsicht geht der Vermutung nach, ob es eine Absprache zwischen den Autoren und den Finanzhändlern gab, um die Leerverkäufe zu tätigen.

Bisher hat die Financial Times jegliche Vorwürfe abgestritten und es wird auch schwer sein, Marktmanipulationen durch die Autoren zu beweisen. Die Anzeige der Bafin basiert nur auf dem hohen Aufkommen von Leerverkäufen kurz vor der Veröffentlichung der Artikel der Financial Times und auch vor der Veröffentlichung der späteren Artikel. Das Leerverkaufsverbot der Bafin läuft an diesem Donnerstag ab.

Auch die Staatsanwaltschaft München hat Ermittlungen wegen Marktmanipulation aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft hat schon im Februar angefangen gegen die Financial Times und Dan McCrum zu ermitteln, auch aufgrund einer Anzeige von Wirecard. Auch hier wird es schwer sein, Absprachen beweisen zu können.

Vor drei Jahren gelang es der Staatsanwaltschaft spekulative Attacken gegen Wirecard zu beweisen. Die Research Plattform Zatarra veröffentlichte damals kritische Berichte über das Münchner Zahlungsdienstunternehmen. Es wurde Strafbefehl gegen Fraser Perrin gehoben, einem der Besitzer von Zatarra. Bis jetzt steht noch nicht fest, ob es in diesem Fall tatsächlich zu einem Gerichtsverfahren kommt.


Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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