Audi Aktie verliert 10 Euro

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Durch den Streik im Motorenwerk in Ungarn muss im Stammwerk in Ingolstadt eine Zwangspause eingelegt werden. Die Aktien des Automobilherstellers fielen daraufhin um 10 Euro.

In der ungarischen Stadt Györ lässt die Volkswagengruppe Motoren herstellen, die bei Audi in den A3, A4, A5 und Q2 verbaut werden. Dazu gehören Diesel- und Ottomotoren, sowie neuerdings auch Elektromotoren. Seit Donnerstag streiken aber die 13.000 Mitarbeiter von Audi Hungaria. Da die Motoren „Just in Time“ geliefert werden, gibt es jetzt in Ingolstadt nicht mehr genügend Motoren um die Produktion aufrecht zu erhalten. In dem Werk in Györ werden jährlich zwei Millionen Motoren gebaut und rund 100.000 TT und A3 Antriebe.

Die Arbeiter in Ungarn fordern 16% mehr Lohn, damit ihr Gehalt sich an den Stand der anderen Werke in Ost- und Mitteleuropa anpasst. Das Motorenwerk beliefert auch andere Werke des Volkswagen-Mutterkonzerns. In wie weit andere Montagewerke des Konzerns betroffen sind, ist bis jetzt noch nicht bekannt gegeben worden.

Für die Arbeiter in dem Mutterwerk in Ingolstadt bedeutet dies erst einmal einen zweitägigen Zwangsurlaub. Für den Falle eines Produktionsstopps haben die Mitarbeiter in Ingolstadt eine besondere Betriebsvereinbarung. Sie müssen 60% der Zwangsferien aus Ihrem eigenen Zeitkonto opfern, den Rest muss Audi übernehmen.

Audi Ingolstadt kann aufgrund der fehlenden Motoren einige tausend Fahrzeuge nicht wie geplant bauen. In dem Werk in Neckarsulm soll die Produktion noch bis Donnerstag abgedeckt sein. Die Konzernleitung hat bekannt gegeben, dass sie über weitere Produktionsstopps je nach Lage entscheiden werde.

Die Stimmung bei Audi ist im Moment kritisch, da das Unternehmen ihr Sparprogramm ausweiten will. Das derzeitige Sparprogramm läuft bis 2022, das Unternehmen will aber noch zusätzliche fünf Milliarden Euro einsparen. Dies wird wahrscheinlich nicht ohne Personalreduzierungen gelingen. Deswegen wird davon ausgegangen, dass befristete Verträge der Mitarbeiter nicht mehr verlängert werden und neue Stellen nicht mehr besetzt werden. Audi hat dies noch nicht bestätigt.

Für Audi kommt der Produktionsausfall zu einer kritischen Zeit. Das Unternehmen verkauft nicht soviel Fahrzeuge wie geplant, unter anderem weil der WLTP-Abgasmess-Standard noch nicht integriert wurde und dadurch viele Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden können. Der neue Chef von Audi, Bram Schot, will das Betriebsergebnis aber nochmals um 5 Milliarden Euro steigern. Dies kann er nur durch aggressive Sparmaßnahmen umsetzen.


Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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