Das dreckige Geschäft von Fiat mit den CO2 Grenzwerten

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8 von den 13 europäischen Autoherstellern werden die EU Abgasziele 2021 nicht umsetzen können. Fiat versucht jetzt mit Tesla die Grenzwerte zu umgehen.

Experten rechnen mit einer Zahlung von mehreren hundert Millionen USD an Tesla, mit der der Fiat-Konzern die EU Abgasauflagen umgehen will. Der italienische Konzern hat mit Maserati, Ferrari, Alfa Romeo und Chrysler, die PS-stärksten Fahrzeuge im Programm. Alle nicht bekannt für ihren umweltfreundlichen Abgaswerte. Das Unternehmen scheint jetzt einen legalen aber nicht gerade umweltfreundlichen Trick gefunden zu haben, um die Strafzahlungen der EU zu umgehen. Wie viele Autohersteller, hat Fiat es versäumt, in die Elektromobilität und abgasarme Motoren zu investieren. Deswegen wollen die Italiener jetzt Ihre Fahrzeugpalette mit dem amerikanischem Elektrofahrzeughersteller Tesla poolen. Dadurch würde Fiat die Vorlagen der EU für das Jahr 2021 einhalten. Sollte das gelingen, könnte der Konzern Strafen in Millionenhöhe umgehen.

Damit wäre Fiat einer der wenigen Automobilhersteller, die die Vorlagen für 2021 einhalten können. Ohne den Deal würde Fiat Chrysler die Ziele um 6,7 Gramm übertreffen und müsste eine Strafe von 700 Millionen Euro bezahlen. Aber auch die PSA Gruppe übertrifft die vorgesehen CO2-Werte mit 2,6 Gramm, was den Konzern rund 600 Millionen Euro kosten würde. Im Moment können nur Volvo, Jaguar Land Rover, Renault, Honda und Toyota die Flottenziele für 2021 einhalten.

Welche Ziele verfolgt die EU mit dem CO2-Flottenziel?

Die EU will die Hersteller dazu zwingen bis 2030 deutlich klimafreundlichere Autos herzustellen. Die neuen Grenzwerte sollen dazu führen, dass die Fahrzeuge weniger Gesundheit- und klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) von Neuwagen soll um 37,5 Prozent reduziert werden. Um dies zu erreichen, wurde ein Zwischenziel von 15 Prozent bis 2025 vereinbart. Für Kleintransporter wird ebenfalls bis 2025 eine Reduktion von 15 Prozent erwartet, für 2030 dann eine 31 prozentige CO2 Reduktion.

Die deutsche Autolobby hat diese Ziele scharf kritisiert, weil sie sie als realitätsfern ansieht. Die Basis der Berechnungen der EU ist das Jahr 2021. Bis dahin dürfen Neuwagen nicht mehr als 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Bis jetzt lag der Wert noch bei 118,5 Gramm.

Da die Werte sich auf die Flotte der Fahrzeuge beziehen, können viele Fahrzeughersteller sie nur erreichen, wenn sie auch Fahrzeuge mit Elektroantrieb anbieten. Da die meisten europäischen Hersteller es aber versäumt haben in diese Technologie zu investieren, werden jetzt hohe Investitionen fällig.

Ist das Pooling von Automarken von der EU erlaubt?

Fiat Chrysler liegt bei dem Ausstoß von CO2 weit über den anderen europäischen Herstellern. Das Unternehmen hat kaum Elektroautos oder Hybridwagen im Programm. Aber auch Hersteller wie Daimler, BMW und Volkswagen haben Probleme diese Werte einzuhalten, weil sie viele PS-starke Fahrzeuge im Angebot haben.

Rechtlich ist das Pooling von Fahrzeugherstellern einwandfrei. Mercedes kann mit dem Kleinwagen Smart auch die schweren Luxusfahrzeuge ausgleichen. Auch der Ausgleich von verschiedenen Herstellern ist erlaubt, bisher hat aber kein Autohersteller den Schritt gewagt. Auch für einen Fahrzeugpool mit verschiedenen Herstellern gibt es ein Beispiel. Die japanischen Autohersteller Toyota und Mazda bilden eine Gemeinschaft und haben schon vor Monaten eine weitergehende Kooperation angekündigt.

Das Geschäft mit den Nullemissionszertifikaten

Es ist nicht das erste Mal, das Tesla in einen Handel mit den Zertifikaten Geld verdient. Das Unternehmen, das sich für den Umweltschutz und Null Emissionen einsetzt, hat schon im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von Zertifikaten 103 Millionen USD verdient. Auch das Geschäft mit Fiat Chrysler dürfte dem Unternehmen einiges an Einkommen verschaffen.

Die Verlierer sind die europäischen Verbraucher, die keine umweltfreundlichen Fahrzeuge angeboten bekommen. Der Handel mit Zertifikaten ist zwar finanziell attraktiv, führt aber nicht zu dem gewünschten Schutz der Umwelt. Wenn die Unternehmen den Weg der geringsten Kosten wählen, wird das Abgasziel der EU nicht eingehalten werden können.

Die Aktie von Fiat Chrysler hat seit der Veröffentlichung der Kooperation leicht zugenommen. Die Aktie von Tesla konnte sich wegen den schlechten Verkaufszahlen noch nicht von dem Verlust vom 04. April erholen.

 


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Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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