Deutsche Bank und Commerzbank starten offizielle Fusionsgespräche

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Seit diesem Wochenende verhandeln die Deutsche Bank und die Commerzbank offiziell über eine Fusion. Die Aktien der beiden Bankinstitute legten daraufhin an der Börse um 3 beziehungsweise 6 Prozent zu.

Seit Monaten wird die Möglichkeit der Fusion der beiden Banken ausführlich in den Medien diskutiert, sogar der der Bundesfinanzminister Olaf Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies werben für den Zusammenschluss der beiden Banken. Die Einflussnahme des Finanzministers stieß auf deutliche Kritik, er wurde von mehreren Seiten zur Zurückhaltung aufgefordert. Die Fusion muss aus betriebswirtschaftlichen Gründen sinnvoll sein und die Steuerzahler dürfen nicht in Mithaftung gezogen werden, auch wenn der Bund einen Anteil von 15 Prozent an der Commerzbank besitzt. Erst dieses Wochenende haben die Deutsche Bank und die Commerzbank offiziell die ersten Gespräche aufgenommen.

Auch der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, gab bekannt, dass er bei der möglichen Fusion keine Wettbewerbsprobleme sieht, nur ein Systemrisiko. Die Kartellbehörden werden den Zusammenschluss wahrscheinlich unter Auflagen freigeben, da sich die Geschäftsfelder der beiden Banken kaum überschneiden. Trotzdem könnte die Größe der fusionierten Banken ein Systemproblem werden. Die Finanzkrise habe gezeigt, das große Banken nicht einfach abgewickelt werden können und im schlimmsten Fall vom Staat gerettet werden müssen.

Auch die Gewerkschaft Ver.di sieht in der Fusion eine Gefahr. Laut den Gewerkschaftern könnten bis zu 30.000 Arbeitsplätze in Gefahr sein, die Aktionärsvereinigung rechnet sogar mit 50.000 gefährdeten Arbeitsplätzen. Laut dem Ver.di Chef Frank Bsirske ergänzen sich die Deutsche Bank und Commerzbank nicht sinnvoll. Die Bundeskanzlerin Merkel hält sich dezent aus der Diskussion um die Fusion heraus. Sie hält die Entscheidung in erster Linie als eine privatwirtschaftliche Entscheidung, aus der sich die Bundesregierung heraushalten sollte. Ihrer Meinung nach sind es alleine die privatwirtschaftlichen Akteure, die über die Herausforderungen, Chancen und Risiken entscheiden können.

Unter den Wirtschaftsexperten wird der Zusammenschluss der Deutschen Bank mit der Commerzbank eher kritisch gesehen. Die Bankenexpertin Isabel Schnabel sieht sie sogar äußerst kritisch. Sie rät massiv davon ab, jetzt noch einen größeren nationalen Champion zu erschaffen. Es ist nicht sicher, dass die Fusion betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre.

Laut dem Vorstand der Deutschen Bank wurden am Sonntag erst die strategischen Optionen geprüft. Die Optionen werden dann vom Vorstand bewertet, ob sie tatsächlich das Wachstum und die Profitabilität der Bank stärken. An die Mitarbeiter sendete der Deutsche-Bank-Chef die Nachricht, dass die Hochzeit der beiden Geldhäuser noch keine ausgemachte Sache ist. Zurzeit stehe es noch nicht fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird. Aus Erfahrungen wissen die Manager, dass es noch viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können.

Für die Deutsche Bank macht die Fusion nur einen Sinn, betonte Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, wenn ein tragfähiges und nachhaltiges Geschäftsmodell entsteht. Vor einer Fusion wird der Vorstand die Geschäftspläne gründlich analysieren und dabei gibt es keinen Bonus, keinen Malus, und Champion ist keine aufsichtsrechtliche Kategorie.


Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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