Einbruch der Auftragseingänge – wie heftig wird der Abschwung?

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In der letzten Woche haben fast alle deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute einen scharfen Rückgang des Wirtschaftswachstums diagnostiziert, wie zerbrechlich ist die weltwirtschaftliche Lage?

In dieser Woche trifft sich wieder die Elite der Finanzminister, Notenbanker, Ökonomen und Banker in Washington zum Treffen des Internationalen Währungsfond (IWF) und der Weltbank. Schon im Vorfeld hat die IWF-Chefin Christine Lagarde durchblicken lassen, dass die weltwirtschaftliche Lage zerbrechlich sei. Die Volkswirte haben ihre Prognosen gesenkt und bereiten den Weg für eine ausgewachsene Rezession vor.

Auch die deutsche Industrie hat einen zurückgehenden Auftragseingang zu verzeichnen. Besonders die Automobilindustrie gibt Grund zur Sorge, der Absatz der Fahrzeuge macht den meisten Herstellern im Moment große Probleme. Tatsächlich melden die produzierenden Unternehmen einen so drastischen Rückgang der Auftragseingänge, der sich mit der Schockrezession von 2009 vergleichen lässt.

Sicherlich nicht hilfreich ist die politische Lage. Obwohl letzte Woche aus China positive Signale kamen, belasten das Brexit-Darma und der Handelsstreit zwischen den USA und China die Stabilisierung der Wirtschaftsaussichten.

Besonders kritisch werden die Zukunftsaussichten, wenn der hohe Verschuldungsgrad der reichen Volkswirtschaften mit einbezogen wird. Wenn es zu einer Rezession kommt, gibt es nur wenig finanzielles Polster, mit denen die Wirtschaftspolitik gegen die Rezession ankämpfen kann. Die hohe Verschuldung macht es den Volkswirtschaften fast unmöglich großangelegte Rettungsprogramme zu starten. Außerdem macht es die momentane Zinspolitik den Notenbanken unmöglich, die Wirtschaft zu stimulieren.

Mit einer Verschuldung von 29.624 Euro pro Einwohner ist Deutschland noch eine der globalen Volkswirtschaften, die in einem Fall einer Rezension über konjunkturpolitische Spielräume verfügt. Als exportorientiertes Land müsste sich Deutschland aber mit Umsatzeinbrüchen aus dem Ausland auseinandersetzen. In den USA ist die Verschuldung pro Einwohner auf 73.841 USD (Stand 06.04.2019) angestiegen und Japan kämpft sogar mit einer Verschuldung von 103.687 USD pro Kopf.

Trotz der stabilen Staatsfinanzen wird Deutschland besonders heftig von einer globalen Rezession betroffen sein. Die Zeiten, in denen deutsche Unternehmen die Möglichkeiten hatten ihre Operationen über den ganzen Globus auszudehnen, sind definitiv vorbei. Schon im letzten Jahr zeichneten sich Umsatzrückgänge an, die durch die Digitalisierung, die Dieselkrise und die E-Mobilität noch eindrucksvoller an Bedeutung gewannen. Es zeichnet sich ein struktureller Wandel ab, der ein dauerhaftes Schrumpfen der produzierenden Industrie in Deutschland hervorrufen könnte.

Die Zeichen für eine globale Rezession sind schon präsent. In wie weit und wie schnell sie eintreffen wird, wird sich erst in diesem Jahr abzeichnen.


Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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