Welche Risiken können bei dem CFD Handel entstehen?

12. Februar 2019
Von: Thomas Pentzek
Aktualisiert am: 19. Februar 2019
Welche Risiken können bei dem CFD Handel entstehen?
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Besonders für Anfänger im CFD-Trading ist es wichtig, sich über die Risiken bewusst zu sein. Dieses Finanzinstrument ist nicht für alle Anleger geeignet.

Seitdem die Anleger mit den traditionellen Finanzinstrumenten keine Rendite mehr erzielen können, fällt das Interesse immer mehr auf alternative Investmentmöglichkeiten. CFDs sind eine interessante Möglichkeit viel Gewinn mit relativ wenig Kapital zu erzielen. Sie sind aber auch eine exzellente Möglichkeit viel Verlust zu machen.

Warum sind CFDs so risikoreiche Investitionen?

CFDs wurden entwickelt, um mit steigenden und fallenden Kursen zu spekulieren und nicht das Wertpapier kaufen zu müssen. Der Differenzkontrakt wird immer zwischen zwei verschiedenen Parteien abgeschlossen. Auf der einen Seite ist immer ein Broker und auf der anderen Seite der Anleger. Der Broker bietet einen Vertrag an und der Anleger kann ihn meistens auf einem Online-Portal akzeptieren.

Mit dem Angebot nennt der Broker auch seine Konditionen und die Angaben von dem Wertpapier. Einer der wichtigsten Angaben ist der Spread. Er gibt die Differenz zwischen dem Wert des Wertpapiers beim Abschluss des Vertrags und am Vertragsende an. Der Anleger kann aufsteigenden und auf einen fallenden Kurs spekulieren.

Der Vertrag wird dann beendet, wenn das Wertpapier um die Höhe des Spreads gestiegen oder gefallen ist. Wenn der Anleger mit seiner Spekulation erfolgreich war, bekommt er die volle Höhe Spreads ausgezahlt.

Das optimale Geschäft macht ein Anleger, wenn der Spread schon am ersten Tag erreicht wird. Wenn nicht, wird der Broker eine Finanzierungsgebühr für jeden Tage verlangen, an dem der Spread von dem Wertpapier nicht erreicht wird.

Wie funktioniert das CFD-Trading?

Im Grunde genommen ist das Trading mit CFDs die ideale Anlagemöglichkeit für Kleinanleger, die nicht über genügend Kapital verfügen. Sie bieten aber nicht nur die Möglichkeit viel Geld mit wenig Kapital zu erzielen, es können auch hohe Verluste entstehen. Um die Risiken der CFDs richtig verstehen zu können, müssen Sie erst einmal die Fachbegriffe und dann ihre Funktionen kennen.

CFD (Contract for Difference)

Im Deutschen werden sie Differenzkontrakte genannt. Dabei handelt es sich um einen Vertrag zwischen zwei Personen, die mit dem steigenden oder fallenden Wert eines Wertpapiers spekulieren. CFDs werden für eine Reihe von Basiswerten gehandelt, wie zum Beispiel Aktien, Währungen und noch viele mehr. Basis eines Differenzkontraktes ist immer der Wert des Wertpapiers zum Zeitpunkt des Vertragsabschluss

Spread (Differenz)

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufswert eines Basiswerts. Der Kurs, zu dem Sie einen Basiswert kaufen können, liegt immer höher, als der Kurs zu dem Sie diesen Basiswert wieder verkaufen können.

Wenn Sie also einen Differenzkontrakt abschließen, wollen Sie immer, dass der Kurs sich über den Spread hinaus entwickelt. Sie können erst dann einen Gewinn realisieren, wenn der Wert des Basiswerts über den Verkaufswert steigt, als der Preis sich über den Spread hinausbewegt.

Beispiel: Nehmen wir einmal an, Sie wollen einen Differenzkontakt für den Wechselkurs EUR/USD abschließen. Der Verkaufspreis liegt bei 1,32932 und der Kaufpreis liegt bei 1,32939. Der Spread dieses Werts würde rechnerisch bei 0,00007 liegen. Da aber die letzte großgeschrieben Nummer für den Spread herangezogen wird, liegt der Spread bei 0,7. Sie würden also erst einen Gewinn erzielen, wenn der Verkaufspreis auf über 1,32939 steigt (Sie kaufen ja zu 1,32932) oder dem Spread von 0,7.

Margin

Um den Vertrag abzusichern, muss der Anleger bei Abschluss eines Differenzkontrakts eine Margin beim Broker hinterlegen. Er bestimmt die Höhe, die der Anleger akzeptieren muss. Meistens wird die Margin dem Konto des Anlegers bei dem Broker entnommen. Wenn die Verluste aus einem Differenzkontrakt die Margin überschreitet und der Anleger kein Kapital zuschießen möchte, wird der Händler den Differenzkontrakt stornieren und ihn für beendet erklären. Auf diese Weise verliert der Anleger seine Margin.

Dieser Vorgang heißt Glattstellung, wenn der Broker einige Positionen in Ihrem Portfolio löscht. Um nicht in die Gefahr einer Glattstellung zu kommen, sollte der Anleger immer für genügend Kapital auf seinem Handelskonto sorgen oder Positionen selber löschen. Besonders im internationalen Handel kann es schnell zu Kursänderungen kommen, so dass es auch zu großen Schwankungen auf ihrem Handelskonto kommen kann.

Stop-Loss-Orders

Um die Risiken mit Differenzkontrakten einzuschränken, gibt es einige Werkzeuge. Die Funktion Stop-Loss Orders ist eine der wichtigsten davon. Sie kann bei dem Abschluss eines Differenzkontrakts gewählt werden und identifiziert den Zeitpunkt, wenn der Anleger den Kontrakt aufgrund der Verluste beenden möchte. Dies hilft den möglichen Verlust einzuschränken und höhere Verluste zuvermeiden.

Die Hebelwirkung

Die Hebelwirkung ist der Grund für die hohen Gewinne und die hohen Verluste, die bei Differenzkontrakten entstehen können. Wie wir schon vorher erwähnt haben, wird bei den CFD kein Wertpapier erworben. Der Anleger spekuliert nur auf den Wertgewinn oder den Wertverlust eines Basiswerts. Um die Gefahr eines Differenzkontrakts zu verstehen, werden wir erst die Hebelwirkung erklären und dann an einem Beispiel die Gefahr und die Gewinnmöglichkeiten verdeutlichen.

Die Hebelwirkung wird durch die Margin definiert, die der Anleger beim Broker hinterlegen muss. Wenn 5% des Basiswerts als Margin hinterlegt werden muss, entspricht das der Hebelwirkung von 1:20. 10% Margin wären dann eine Hebelwirkung von 1:10. Der Anleger muss also nur einen Bruchteil eines Basiswerts aufbringen, um mit den Kursveränderungen zu spekulieren.

Die Gefahr der Hebelwirkung

Beispiel: Gehen wir einmal davon aus, dass ein Anleger 1000 Euro zur Verfügung hat. Mit diesen 1000 Euro kauft er eine Aktie von einem Unternehmen X. Wenn der Wert der Aktie 3% steigt, dann hat er theoretisch 30 Euro verdient, also dementsprechend auch sein Kapital um 3% erhöht, das gleiche trifft bei einem Wertverlust von 3% der Aktie zu.

Nehmen wir einmal an, der gleiche Anleger kauft mit dem gleichen Kapital Differenzkontrakte von der gleichen Aktie. Mit einem Hebel von 1:20, kann er mit seinem Kapital 20 Differenzkontrakte der gleichen Aktie abschließen. Steigt die Aktie nun 3%, hat er 20 mal 30 Euro verdient, als 600 Euro. Verliert die Aktie aber an Wert und er hat auf steigende Kurse gesetzt, dann hat er schon 60% seines Kapitals verloren. Bei einem normalen Aktienkauf wären es nur 3% gewesen. Verliert die Aktie 5% an Wert und der Anleger hat auf steigende Kurse gesetzt, verliert er mit dem Differenzkontrakt 100% seines Kapitals, während der Käufer einer Aktie nur 5% seines Kapitals verloren hat.

Um die Funktion der Hebelwirkung zu verdeutlichen, bei einem Hebel von 1:20 eines Differenzkontrakts, ist das Risiko und die Gewinnmöglichkeit auch 20mal höher.

Bei den Beispielen haben wir alle anderen Kosten, wie:

  • Transaktionskosten,
  • Finanzierungskosten und
  • Kontoführungskosten

ausgelassen, die je nach Broker auch noch einen großen Einfluss auf den Gewinn haben.

Wenn der Anleger in unserem Beispiel die Stop-Loss-Orders Funktion mit 1% gesetzt hätte, hätte er seinen Verlust auf 200 Euro begrenzt.

Die Risiken der CDs mit long oder short Handelsstrategien

Genau wie bei dem Handel mit Aktien können Anleger auch bei Differenzkontakten Strategien auf kurze Zeit oder langfristig umsetzen. Der Unterschied besteht nur in den Kosten. Wenn Sie eine Aktie kaufen, können Sie sie solange sie wollen in einem Depot lagern, es entstehen keine weiteren Kosten, außer vielleicht die Kosten für die Depotverwaltung des Brokers.

Bei den Differenzkontrakten ist dies nicht so. Wenn Sie Positionen in Ihrem Depot länger halten, ja sogar nur wenn Sie sie über Nacht halten, berechnet der Broker Finanzierungskosten. Je nach Broker können die Finanzierungskosten bis zu 3,5 Prozent betragen. Sie entstehen nur, wenn Sie eine Position mindestens über Nacht halten. Die Finanzierungskosten beziehen sich auf den Betrag, den der Broker Ihnen bei einem Differenzkontrakt finanziert. Bei einem Hebel von 1:20, finanziert der Broker Ihnen 95% des Werts der Aktie.

Beispiel: Um bei unserem Beispiel zu bleiben, wenn ein Anleger einen Differenzkontrakt für eine Aktie mit einem Wert von 1000 Euro abschließt, finanziert der Broker 950 Euro. Bei einem Zinssatz von 3,5% wären dies 33,25 Euro jährlich, oder 0,09 Euro täglich. Das hört sich im Moment nicht sonderlich hoch an, wenn aber mehrere Positionen auf längere Zeit gehalten werden, können schon hohe Unkosten durch die Finanzierungskosten auftreten. Sie müssen auf jede Fälle bei langfristigen Handelsstrategien beachtet werden.

Das Overnight-Risiko

Wenn CFD-Positionen über eine Nacht gehalten werden, entsteht ein weiteres Risiko. Die Basiswerte können über Nacht erheblich von dem Kurs des Vortags abweichen. Die meisten Unternehmen veröffentlichen Nachrichten erst nach Börsenschluss, selbst allgemeine wirtschaftliche oder politische Veränderungen können den Kurs über Nacht drastisch verändern.

Selbst die Stop-Loss Funktion kann dann in manchen Fällen nicht mehr schützen, weil die Kurse teilweise stark abweichen. Das kann zu einer Zwangsglattstellung führen, das Risiko ist allerdings immer auf die Margin begrenzt.

Die Gefahren des Daytradings

Als Daytrading wird der Handel mit einem oder mehreren Werten an einem Tag bezeichnet. Dafür werden die betreffenden Differenzkontrakte an einem Tag geöffnet und wieder geschlossen. Meistens zeichnen sich Daytrayder durch eine große Anzahl von Geschäften im Tagesverlauf aus.

Durch die große Anzahl der Geschäfte müssen viele Geschäfte mit kleinen oder größeren Gewinnen realisiert werden. Die größere Handelsaktivität birgt ihre eigenen Risiken. Verluste werden meistens durch eine höhere Risikobereitschaft begleitet, was oft zu einem größeren Verlust führen kann.

Die hohe Aktivität kann auch hohe Transaktionskosten und Provisionen hervorrufen. Der Handel mit vielen Positionen setzt profunde Kenntnisse über die Märkte voraus, um erfolgreich Gewinne umzusetzen. Es ist wichtig, die richtige Relation der Positionen zu finden, die mit dem verfügbaren Kapital und dem Wissen des Anlegers in Einklang stehen, dann können die optimalen Gewinne erzielt werden.

Das Währungsrisiko

Einer der Vorteile des CFD-Tradings ist auf Basiswerte aus der ganzen Welt spekulieren zu können. Der Handel mit Differenzkontrakten ist nicht auf die jeweiligen Börsenzeiten und auf die verschiedenen Börsen beschränkt. Die Basiswerte, mit denen Sie im CFD-Trading spekulieren können, sind dann auch an die Landeswährungen gebunden, in denen sie gehandelt werden.

Wenn Ihr Handelskonto in Euro geführt wird, und Sie Basiswerte in USD kaufen, müssen Sie auch den wechselnden Kurswert dieses Währungspaars als Risikofaktor einbeziehen. Er kann sich negativ und positiv auf Ihre Handelsstrategie auswirken.

Das Marktpreisrisiko

Unter Marktpreisrisiko wird das Risiko von Änderungen des Kontraktwerts aufgrund der Preisänderungen des Basiswerts bezeichnet. In der digitalen Welt haben sich die Reaktionszeiten des Markts stark verkürzt. Die große Anzahl der Marktteilnehmer können täglich Kursschwankungen hervorrufen, für die früher noch Tage notwendig waren.

Hier liegen die Vorteile der Differenzkontrakte, aber auch ihre große Gefahr. Bei den Kursänderungen spielen aber nicht nur ökonomische Faktoren eine Rolle, die einfacher zu kalkulieren wären, sondern auch psychologische, die von den vielen Marktteilnehmern verursacht werden.

Deswegen kann die Preisentwicklung irrational verlaufen, wenn Sie durch Nachrichten, Stimmungen oder Gerüchten stimuliert wird. Es wird immer schwerer die rationalen und irrationalen Faktoren zu bewerten, die einen Basiswert beeinflussen. Es entstehen immer mehr Faktoren, die auf den positiven oder negativen Kurswert Einfluss haben. Besonders die schnelle digitale Medienverbreitung hat einen großen Einfluss auf die stetigen täglichen Kursänderungen. Wer diese Preisänderungen einschätzen kann, kann mit den Differenzkontrakten sehr viel Geld verdienen.

Risikomanagement

Beim Handel mit volatilen Finanzinstrumenten lässt sich ein Risiko nie komplett ausschließen. Da die Kurse der Basiswerte sich teilweise irrational verändern, gibt es keine Handelsstrategien, die den Anleger absolute Sicherheit garantieren können. Auch wenn Ihnen einige selbsternannte Spezialisten im Internet den Erfolg mit ihrer Methode garantieren wollen, gibt es keine Garantien.

Die Strategien für ein erfolgreiches Risikomanagement können sich von Anleger zu Anleger unterscheiden. Erfolgreich haben sich aber stabile und bekannte Basiswerte bewährt, die normalerweise keine abrupten Kursbewertungen machen, wie zum Beispiel die Aktien von kleinen High-Tech Unternehmen. Sie versprechen allerdings auch nicht so hohe Kursbewegungen, die für gute Gewinne bei den Differenzkontrakten wichtig sind. Deswegen kann eine Mischung bei den einzelnen Positionen ein wichtiger Erfolgsfaktor sein.

Das wichtigste beim CFD-Handel sind aber die Kenntnisse des Anlegers. Es müssen täglich viele Informationen und Fakten verarbeitet werden, um die einzelnen Gewinnmöglichkeiten auswerten zu können. Erfolgreich CFD-Trader verbringen die meiste Zeit mit der Recherche und der Auswertung der Informationen und nur einen kleinen Teil mit dem Abschluss der Kontrakte.

Je mehr Wissen vorhanden ist, desto bessere Entscheidungen können getroffen werden. Dabei spezialisieren sich erfolgreiche Trader meistens auf ein Wissensfeld, da bei dem heutigen Informationsfluss nicht alle Informationen gleichzeitig verarbeitet werden können. Konzentrieren Sie sich eine bestimmte Branche oder auf bestimmte Werte. Dadurch können Sie Ihr Wissen erfolgreich in Gewinne umsetzen.

Der Erfolg des CFD-Tradings liegt in der Begrenzung des Risikos oder einem effektiven Risikomanagement. Wenn der Erfolg mit den Basiswerten nicht garantiert werden kann, dann muss das Risiko so klein wie möglich gehalten werden.

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