Der Nasdaq 100 übertrifft sich bald selbst, während der DAX zögert

Fehlsignale hat man im DAX in den vergangenen Wochen und Monaten schon viele gesehen (siehe zum Beispiel rote Bögen im folgenden Chart). Und vorgestern folgte das nächste. Denn der DAX hatte versucht, aus seinem kurzfristigen Keil (blaue Linien) nach oben auszubrechen. Dies stellte sich jedoch wieder als Fehlsignal heraus (rote Ellipse). Gestern ist dem deutschen Leitindex – dank einer erneuten Aufwärtslücke (grüne Ellipsen) – der bullishe Ausbruch aber doch noch gelungen.

DAX - kurzfristige Chartanalyse

Dabei kam es sogar zu einem neuen Trendhoch, das allerdings nicht nachhaltig war, denn der Index konnte wieder keine Anschlussgewinne erzielen. Die DAX-Anleger zeigen sich also weiterhin sehr zögerlich.

Stilhalter am Ziel ihrer DAX-Träume

Ein Grund dafür könnte der gestrige Verfallstermin gewesen sein. Denn wie Torsten Ewert bereits am Montag schrieb, gab es für die Stillhalter gute Gründe, einen weitergehenden Anstieg des DAX bis auf über 13.500 Punkte zu verhindern. Und dies ist ihnen letztlich gelungen. Der DAX wurde gestern bei 13496,13 Zählern abgerechnet.

DAX-Anleger bleiben zögerlich

Doch warum sind die Anleger auch nach dem Verfallstermin noch zögerlich? Vielleicht wollten sie sich vor dem Wochenende einfach nicht mehr zu weit aus dem Fenster lehnen. Vielleicht fürchten sie aber auch, dass die völlig überkauften US-Indizes plötzlich zurücksetzen. Denn dann könnte sich auch der aktuelle Ausbruch im DAX wieder als Fehlsignal entpuppen.

Angaben der US-Regierung plausibel

Vorgestern hatte ich bereits einige Zahlenbeispiele genannt, die belegen sollten, dass der „Phase 1-Deal“ zwischen den USA und China kaum noch Rückenwind für Wirtschaft und Börse liefern dürfte. Dabei ist mir leider ein Fehler unterlaufen. Aber bei so vielen Nullen kann man offenbar schon Mal den Überblick verlieren. So hatte ich vorgestern ausgerechnet, dass die zusätzlichen Importe der Chinesen in Höhe von 200.000.000.000 Dollar bei einem US-BIP von rund 20.000.000.000.000 Dollar nur 0,1 % des BIP ausmachen. Tatsächlich sind es aber natürlich 1 % – vielen Dank für den Hinweis eines aufmerksamen Lesers. Und verteilt auf zwei Jahre kann der aktuelle Handelsdeal, wie von der US-Regierung berechnet, tatsächlich das US-BIP um 0,5 % jährlich erhöhen.

Die Kursgewinne an den US-Märkten rechtfertigt das aber dennoch nicht. Denn selbst mit einem BIP-Plus von 0,5 % wird die US-Wirtschaft gemäß den aktuellen Prognosen kaum stärker wachsen als im vergangenen Jahr. Nun könnte man noch argumentieren, dass für die Aktienkurse letztlich nicht das BIP-Wachstum, sondern das Wachstum der Unternehmensgewinne zählt. Doch hier bleibt abzuwarten, ob die Analysten ihre jüngsten Erwartungen noch deutlich nach oben schrauben. Denn der Handelsdeal ist schon länger bekannt und dürfte daher bereits weitestgehend in den Prognosen enthalten sein. Die Gewinnerwartungen werden daher kaum mehr so stark angehoben, dass das aktuelle KGV von rund 20 auf ein „Normalniveau“ sinkt.

Erleben wir gerade die nächste Technologieblase?

Und wenn ich mir exemplarisch folgenden Chart des Nasdaq 100 ansehe, dann wird zumindest mir etwas schwindelig.

Nasdaq 100 - langfristige Chartanalyse

Und selbst wenn ich mir einen kurzfristigeren Chart anschaue, bin ich erstaunt über den aktuellen Kursanstieg.

Nasdaq 100 - Kursanstiege

Von Ende 2018 konnte der Technologieindex binnen nur 83 Handelstagen mehr als ein Drittel zulegen. Und seit Anfang Oktober 2019 macht er sich auf, dieses Kunststück zu wiederholen. Der Unterschied: Ende 2018 holte der Index lediglich die vorangegangenen Kursverluste wieder auf. Der aktuelle Kursanstieg begann hingegen bereits auf einem fundamental recht hohen Bewertungsniveau.

Bei ziemlich genau 9.400 Punkten hätte der Nasdaq 100 mit der Anfang Oktober begonnenen Aufwärtswelle genauso viele Punkte zugelegt wie mit der Ende 2018 gestarteten. Es wird spannend zu beobachten, ob er dieses Ziel noch erreicht, sogar darüber hinaus steigen kann oder vorher in eine Korrektur geht. Jedenfalls hat sich ab Anfang Mai 2019 gezeigt, wie heftig ein Rücksetzer ausfallen kann, wenn die Kurse zuvor binnen kürzester Zeit sehr weit gestiegen sind. Und das stellt eben auch eine große Gefahr für den DAX dar, obwohl dieser noch längst nicht so stark gestiegen ist.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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