Wie schlimm wären Auto-Zölle für die deutsche Wirtschaft?

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Vorgestern noch eine gute Nachricht zum Thema Auto-Zölle, gestern dann die Ernüchterung. Denn einem Bericht von Bloomberg zufolge verbindet US-Präsident Donald Trump seinen vorläufigen Verzicht mit der Forderung, dass die EU ihre Exporte von Fahrzeugen und dazugehörigen Bauteilen in die USA einschränkt.

Auf und Ab der Autoaktien

Waren Autotitel vorgestern noch ganz oben in den Gewinnerlisten zu finden, so mussten sie gestern wieder Abgaben hinnehmen. Da die Märkte aber einen eingeschränkten Export scheinbar weniger schädlich für die europäische und insbesondere die deutsche Wirtschaft einschätzen als 25-prozentige Zölle auf alle Exporte, konnte der Gesamtmarkt gestern weiter zulegen.

Anteil der US-Auto-Exporte beträgt 0,8 % des deutschen BIP

Letztlich dürfte aber beides von den Unternehmen verkraftet werden. Denn 2018 wurden laut Angaben von Bundesbankpräsident Jens Weidmann KFZ und KFZ-Teile im Wert von rund 27 Milliarden Euro in die USA exportiert. Das gesamte Bruttoninlandsprodukt (BIP) der deutschen Wirtschaft lag in diesem Zeitraum aber bei 3.386 Milliarden Euro. Und damit betrug der Anteil der US-Exporte der Automobilbranche lediglich 0,8 % am BIP.

Der Schaden für die deutsche Wirtschaft dürfte relativ sein

Das ist durchaus ein ordentlicher Anteil. Doch egal ob die Exporte nun zukünftig eingeschränkt oder mit Zöllen von 25 % belastet werden, es wird nicht gleich von heute auf morgen der gesamte Export eingestellt. Stattdessen wird lediglich ein Teil davon wegfallen – und auch das nicht von heute auf morgen. Denn die Autos und die KFZ-Teile werden ja in den USA benötigt. Die Produktion kann also nicht wegfallen, sondern höchstens in die USA verlagert werden. Aber das benötigt eine gewisse Zeit. Und auch von einer Produktion in den USA würden die Unternehmen ja profitieren. Daher dürfte der Schaden für die Branche und insbesondere die gesamte deutsche Wirtschaft also relativ gering bleiben.

Deutsche Wirtschaft ist auf den Wachstumspfad zurückgekehrt

Zumal die Zölle oder die Exportbeschränkungen in eine Zeit fallen könnten, in der die zuletzt knapp an einer Rezession vorbeigeschrammte deutsche Wirtschaft bereits wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist. Denn im 1. Quartal 2019 legte das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,4 % zu. Dies teilte das Statistische Bundesamt gestern anhand vorläufiger Daten mit.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland

Demnach stiegen der private Konsum, die Aktivitäten des Baugewerbes und die Ausrüstungsinvestitionen stark an, während die öffentlichen Ausgaben das Wachstum dämpften. Der Nettoexport hatte offenbar keinen wesentlichen Einfluss.

Über die genaue Zusammensetzung und Qualität des Wachstums werden die am 23. Mai anstehenden Detaildaten noch einen tieferen Einblick geben. Jedenfalls hat die deutsche Wirtschaft letztlich in den vergangenen Monaten deutlich besser abgeschnitten, als es die Stimmungsindikatoren haben befürchten lassen. Wohl auch, weil die wachstumsdämpfenden Faktoren des zweiten Halbjahres 2018 (insbesondere Zulassungsprobleme der Automobilindustrie und das Niedrigwasser) weggefallen sind und dies Aufholeffekte nach sich zog. Zwar konnte die seit Mitte 2018 anhaltende Industrierezession immer noch nicht überwunden werden, doch wurde die Wertschöpfung in den Dienstleistungsbereichen teilweise stark ausgeweitet.

Wachstumstempo dürfte kaum weiter zulegen

Das Wachstumstempo dürfte aber kaum weiter zunehmen. Denn aufgrund der Verschärfung des Handelsstreits sind die Exporterwartungen der Unternehmen gering – und damit auch die Investitionsneigung, wie die folgende Grafik der DekaBank eindrucksvoll zeigt.

Exporterwartungen und Investitionsneidung

DAX zeigte sich gestern bereits wieder stark

Da für die gesamte Eurozone bereits eine Beschleunigung des BIP-Wachstums im 1. Quartal 2019 gemeldet worden war, wurde das positive Wachstum der deutschen Wirtschaft bereits erwartet. Es zeigt aber, dass sich die heimischen Unternehmen selbst im aktuellen international schwierigen Umfeld relativ solide entwickeln. Und sie dürften auch die mit möglichen Auto-Zöllen oder Exportbeschränkungen einhergehenden Probleme wegstecken.

Klar, die Automobilbranche ist für Aktienanleger derzeit nicht gerade erste Wahl. Aber der DAX zeigt sich gestern bereits wieder stark. Er hat die Korrektur der vergangenen Tage vorgestern schon beendet. Und mit dem gestrigen Anstieg, der schon fast bis an das Trendhoch reicht, spricht nun bereits vieles dafür, dass wir hier tatsächlich nur moderate Rücksetzer gesehen haben bzw. noch sehen werden. Mit dem jüngsten Tief ist sogar noch der Ende 2018 begonnene Aufwärtstrend intakt.

DAX - Target-Trend-Analyse

Dieser ist allerdings recht steil und schon ziemlich reif. Daher rechne ich noch mit weiteren Rücksetzern. Aber die Kursgewinne von vorgestern und gestern stärken meinen Glauben an eine moderatere Korrektur bzw. Konsolidierung, die eher seitwärts gerichtet verlaufen könnte. Vielleicht setzt sich sogar die Symmetrie im DAX noch weiter fort.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage

Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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