Bayer-Chef Baumann muss mit Ärger auf der Hauptversammlung rechnen

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In den letzten Tagen ist ein Brief bei der Rechtsabteilung des Chemiekonzerns Bayer eingetroffen, der dem Konzernleiter einen Vorgeschmack für die Probleme auf der nächsten Hauptversammlung geben wird.

In dem dreiseitigen Brief fordert der Experte für gute Unternehmensführung Christian Strenger dem Vorstand und dem Bayer-Chef die Entlastung zu verweigern. Wenn eine Entlastung auf der Hauptversammlung verweigert wird, soll das die Missbilligung der Aktionäre über die Führung des Unternehmens ausdrücken und eventuelle Schadensersatzansprüche können später beim Vorstand geltend gemacht werden.

Strenger ist Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex und ist ein anerkannter Experte für die gute Unternehmensführung in Deutschland. Mit dem Brief will er die Aktionäre dazu aufrufen, die Konzernführung für die Fehler der vergangenen Jahre verantwortlich zu machen. Strenger schied 2016 aus der Regierungskommission aus und vertritt heute einen kleinen Bruchteil der Bayer-Aktionäre.

Kritisiert wird vor allen Dingen die 60 Milliarden Dollar teure Übernahme des Saatgut- und Unkrautvernichtungshersteller Monsanto. Strenger sieht in dieser Übernahme einen Grund, weshalb die Bayer-Aktie in den letzten zwei Jahren mehr als 40 Prozent ihres Werts verlor. Strenger bezeichnet den Deal als den größten und schnellsten Wertevernichter der Dax-Geschichte. Er wirft Baumann vor die Übernahme trotzdem durchgeführt zu haben, nachdem die Kartellbehörden Bayer zwangen Unternehmensteile an den Konkurrenten BASF zu verkaufen, um Monsanto übernehmen zu können. Dadurch wurde das Synergiepotential der Monsanto Übernahme um 20 Prozent oder 300 Millionen Euro pro Jahr verringert.

Außerdem soll Baumann die Rechtsrisiken aus den Glyphosatklagen eklatant falsch eingeschätzt haben. In den USA gerät Bayer immer mehr in Gefahr zum bösen Buben der Großkonzerne nach der Monsanto Übernahme zu werden, die das finanzielle Interesse über die Gesundheit von Menschen stellen. Das Verfahren gegen den Konzern wird in San Francisco von dem Hausmeister Dewayne Johnson geführt, der sein Krebsleiden auf ein Herbizid von Monsanto und den Wirkstoff Glyphosat zurückführt. Er bekommt prominente Unterstützung von dem Sänger Neil Young und der Schauspielerin Daryl Hannah.

Wenn Bayer das Verfahren verliert, droht eine Lawine von Strafverfahren auf das Unternehmen in den USA zuzukommen. Monsanto hat einen Marktanteil von über 40% und konnte letztes Jahr einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro erzielen. Glyphosat ist das meistbenutzte Pestizid weltweit. Eine Klagewelle könnte die Größe der Klagen gegen die Zigarettenindustrie und Asbest in den Schatten stellen.

Es wird ein konfliktreiches Aktionärstreffen für die Vorstandsmitglieder am 25. Mai. Stegener droht auch für den Aufsichtsrat einen Antrag auf Nichtentlastung zu stellen, wegen Verletzung der Kontrollpflichten. Außerdem will er eine Sonderprüfung für die Umstände der Monsanto Übernahme einberufen.


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