Betrugsverdacht um Stablecoin Tether: Kurseinbruch bei Kryptowährungen

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Dramatische Kursrückgänge bei Kryptowährungen gab es Donnerstag Nacht bzw. Freitag morgen. Innerhalb weniger Stunden sackte die totale Marktkapitalisierung am Kryptomarkt um fast 8% ein. Der Kurseinbruch bei Bitcoin und Ether betrug mehr als 6%. Grund dafür: Ermittlungen um die Bitfinex Corp., Herausgeber des Stablecoin Tether und Betreiber des gleichnamigen Krypto-Exchanges.

Die Staatsanwältin für New York hat Untersuchungen aufgrund eines Betrugsvorwurfs eingeleitet. Hat Bitfinex Mittel der Kryptowährung übertragen, um seinen eigenen Exchange mit Liquidität zu versorgen?

Schwere Vorwürfe an Herausgeber von Stablecoin Tether

Die Bitfinex Corp. mit Sitz in New York soll in etwa 850 Millionen US-Dollar von Tether-Einlagen genutzt habe, um Liquiditätsengpässe bei seinem Exchange zu überwinden. Hierzu habe man bisher knapp 600 Millionen an den Zahlungsabwickler Crypto Capital Corp. überwiesen, der auch Einlagen anderer Exchanges verwaltet.

Problematisch ist daran natürlich auch, dass man Anleger darüber nicht informiert und benachrichtigt hat. Mit anderen Worten: wenn sich die Vorwürfe erhärten, hat Bitfinex Anleger betrogen.

Negative Schlagzeilen lassen alle Kryptokurse fallen

Angesichts der Ermittlungen bei einem solch wichtigen Player im Kryptomarkt ließen die Kursreaktionen natürlich nicht lange auf sich warten. Als die Neuigkeiten Donnerstag Nacht publik wurden brach der gesamte Markt innerhalb von knapp 1 Stunde um fast 8% ein! Dabei war allerdings bei weitem nicht nur USD Tether betroffen, sondern praktisch alle Kryptowährungen wurden nach unten gerissen.

Ein Blick auf Coinmarketcap zeigt, wie rasch die Kryptokurse fallen konnten. Innerhalb von nur einer Stunde verlor Bitcoin etwa mehr als 6%, Ether sogar fast 7 Prozentpunkte. Seither allerdings konnten sich die meisten Kurse wieder um 2-3% erholen.  Was die Schlagzeile für Stablecoin Tether bedeutet wird wohl davon abhängen, zu welchem Ergebnis die Untersuchungen kommen.

Stablecoin Tether: Hassliebe unter Krypto-Enthusiasten

Der Stablecoin Tether ist weithin als der weltweit erste Stablecoin bekannt. Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Kurs auf einem bestimmten Basiswert beruht, im Falle von Tether eben US-Dollar. Stablecoins sollen die Vorteile von Kryptowährungen mit einem stabilen Basiswert kombinieren, um der oftmals hohen Kursvolatilität am Kryptomarkt vorzubeugen.

Darum hatte die Stablecoin Tether in der Vergangenheit unter Krypto-Tradern hohen Zuspruch erhalten. Viele Bitcoin-Trader fliehen in volatilen Zeiten von Kryptowährungen in USD-Tether, um ihre Bestände nicht in Fiat-Währungen tauschen zu müssen.

Ist der Stablecoin Tether wirklich durch ausreichend USD gedeckt?

Gleichzeitig gibt es viel Kritik rund um Stablecoin Tether und seinen Emittenten. Ein häufiger Kritikpunkt ist etwa die Vermutung, dass Tether gar nicht mit ausreichend USD gedeckt sei. Die Problematik besteht auch in mangelnder Transparenz des Unternehmens. So hat man Anlegern zugesichert, ein ausführliches Audit durchführen und die Ergebnisse offenlegen zu wollen. Dem Versprechen hat man bisher allerdings keine Taten folgen lassen.

Somit bleibt unklar, wie stabil der Stablecoin Tether wirklich ist. Und Anlegervertrauen bleibt damit sehr verwundbar, sodass Meldungen wie die von Donnerstag Nacht auf vorsichtige Augen und Ohren stoßen.

Nach wie vor ist Stablecoin Tether die achtgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, welche aktuell in etwa 2,80 Mrd. USD beträgt.

Christian Brandstötter ist als studierter Betriebswirt seit 2010 als Autor zu Wirtschaftsthemen tätig.

Seitdem er Anfang 2015 das erste Mal auf Bitcoin gestoßen ist, verfolgt er das Thema Kryptowährungen aufmerksam.
Bei großem Enthusiasmus für Blockchain-Technologie versteht er Kryptowährungen bloß als einen von vielen, wenn womöglich auch den spannendsten aller Anwendungsbereiche dieser zukunftsweisenden Technologie. Dabei ist ihm stets ein kritischer, objektiver Blick auf Entwicklungen und Chancen am Kryptomarkt wichtig.

Christian Brandstötter auf LinkedIn

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