Das Problem der deutschen Automobilindustrie mit der E-Mobilität

Automobilindustrie
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Die deutsche Automobilindustrie ist eine fein justierte Maschine. Die Automobilhersteller können auf eine Vielzahl von Lieferanten zugreifen, die sich in den letzten Jahrzehnten auf die Herstellung von Fahrzeugteilen spezialisiert haben. Die bekannten deutschen Automobilhersteller können sich die Lieferanten der benötigten Teile nach ihren Kriterien aussuchen und haben auch bei Optimierung der Kosten die Möglichkeit die Hersteller unter Druck zu setzen, wovon sie auch jährlich Gebrauch machen.

Die Infrastruktur der Zulieferanten ist in den letzten 70 Jahren natürlich gewachsen und hat die Qualität und den Ruf der deutschen Automobile geprägt. Auch in den ausländischen Werken der deutschen Automobilhersteller werden zum größten Teil Komponenten von deutschen Herstellern verbaut. Meisten bauen die Zulieferanten Werke in der Nähe der ausländischen Werke, nur in Ausnahmefällen werden die Teile importiert oder es wird auf ausländische Hersteller zurückgegriffen.

Mit der E-Mobilität wird sich die deutsche Automobilindustrie verändern

Für die Entwicklung eines neuen Kraftfahrzeugs benötigen die verschiedenen Automobilhersteller meistens drei bis vier Jahre. Der Entwicklungszyklus hat sich in den letzten Jahren durch den Einsatz von leistungsstarken Computern und spezialisierter Software reduziert. Die Hersteller nutzen dann aber oft das Baukastenprinzip, bei dem Teile und Komponenten aus anderen Fahrzeugen benutzt werden.

Mit dem schnellen Umstieg auf die E-Mobilität steht die deutsche Automobilindustrie nun vor ganz neuen Aufgaben. Fast keine Teile können von den herkömmlichen Fahrzeugen übernommen werden. Fast alle Komponenten müssen neu entwickelt werden und ein ganz neuer Zulieferanten Stamm aufgebaut werden. Die meisten Zulieferanten werden auch versuchen die neuen Teile und Komponenten liefern zu können und können dabei nur teilweise ihre lange erarbeitete Expertise nutzen. Die Automobilhersteller können aber davon ausgehen, dass die meisten Lieferanten weiterhin die benötigten Teile zu liefern, auch wenn sich die Ansprüche komplett ändern werden. Nur bei einer der wichtigsten Teile der Elektrofahrzeuge wird die Automobilindustrie an ihre Grenzen gelangen. Es gibt aktuell nur einen deutschen Hersteller für die benötigten Lithium-Ionen-Batterien.

Das Problem mit den Batterien für die E-Mobilität der Automobilhersteller

Den Markt für die benötigten Batterien teilen sich im Moment 10 Firmen. Der größte Hersteller ist Tesla, der mit der neuen Gigafabrik die Produktion der Batterien mehr als verdoppeln will. 2020 soll die Fabrik Akkus für eine halbe Million Elektroautos produzieren. Auch wenn Tesla damit der weltweit größte Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge ist, erscheint die Stückzahl bei mehr als 97 Millionen hergestellten Automobilen mit Verbrennungsmotoren im Jahre 2017 sehr klein.

Panasonic ist der bisherige Lieferant von Akkumulatoren für die Tesla Fahrzeuge und kooperiert auch bei der Entwicklung der Mega-Fabrik mit dem Hersteller. Die Japaner wollen die Produktion der Batterien in diesem Jahr mehr als verdreifachen.

Samsung stellt die Akkus für den BMW i3 und den Fiat 500e her. Sie planen mit einem chinesischen Partner eine neue Fabrik für Batterien, in die bis 2020 mehr als 600 Millionen USD investiert werden sollen.

Das börsennotierte Unternehmen LG Chem hat Verträge mit Audi, Renault und dem chinesischem SAIC Motor für die Lieferung von Akkumulatoren abgeschlossen. Im Moment entsteht in der chinesischen Stadt Nanjing ein Werk, in den das Unternehmen mehrere Hundert Millionen USD investiert hat.

Das amerikanische Unternehmen Johnson Control gilt als einer der größten Hersteller von Batterien und gilt an der Börse als die Batterie-Aktie schlechthin. Die Amerikaner produzieren mehr als 30 Prozent der industriell benötigten Batterien.

GS Yuasa aus Japan, kooperiert mit der Robert Bosch AG bei der Entwicklung von Akkumulatoren für Elektrofahrzeugen. Das japanische Unternehmen entwickelt die nächste Generation der Lithium-Ionen-Batterien für Mitsubishi. Das Unternehmen ist der führende Hersteller von konventionellen Autobatterien in den USA und ist auch an der Börse sehr beliebt.

Mit der Übernahme von Polypore hat sich auch das japanische Unternehmen Asahi Kasei Corp für die Produktion von Batterien für die E-Mobilität etabliert.

In einem Interview mit Automotive News hat der Volkswagen-Chef Herbert Diess bestätigt, das der Konzern sich Batterien für 50 Millionen Elektroautos gesichert hätte. Wo und von wem die Batterien kommen, hat der Konzernchef nicht verraten. Um die Batterien für die neuen E-Fahrzeuge zu sichern, hat BMW einen Vertrag mit dem chinesischem Hersteller CATL abgeschlossen, der Vertrag soll über vier Milliarden Euro wert sein. Auch Daimler käuft die Akkumulatoren in Asien. Das Unternehmen gab bekannt, das Verträge über 20 Milliarden Euro abgeschlossen wurden, mit asiatischen Herstellern, nähere Informationen sind nicht bekannt.

Der deutschen Automobilindustrie wird nichts anderes übrigbleiben, als sich auf die Lieferung von asiatischen Unternehmen bei der Beschaffung von Batterien für die Elektrofahrzeuge zu verlassen. Die Forscher des Frauenhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI geben Europa als Standort für eine Batterieproduktion noch bis 2025 Zeit, wenn eine wettbewerbsfähige Zellfertigung aufgebaut werden soll. Bis dahin wird die E-Mobilität den Schritt von Nischenprodukt zum Massenmarkt überschritten haben. Dieser Zeitpunkt gilt allgemein als entscheidend, für die globale Transformation des Markts. In der Studie wird betont, das Europa nur den Anschluss an die Technologie halten kann, wenn kurzfristig in die Entwicklung 10 Milliarden Euro investiert werden und langfristig 100 Milliarden Euro in die Produktion.

China hat die Führung in der Produktion von Batterien übernommen

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat in einer Studie 2018 herausgefunden, dass China sich zwischen 2016 und 2018 zum Leitanbieter für Batterien für die E-Mobilität entwickelt hat. Die Hersteller aus China, Japan und Korea haben die Fertigung von Batterien in China beträchtlich ausgebaut.

In Deutschland sind 500.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie gefährdet

Der Volkswirt Dirk Schumacher hat die Folgen der fehlenden Batterieproduktion in Deutschland als Risiko bei der Wertschöpfung der Produktion dargestellt. Ohne die eigene Produktion der Batterien wird nach seiner Meinung die deutsche Automobilindustrie jährlich 33 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren. Der Volkswirtschaft würde ein Schaden von 48 Milliarden Euro entstehen, was zu einem Verlust der jährlichen Wirtschaftsleistung von 2 Prozent entspricht und zu einem Verlust von 500.000 Arbeitsplätzen führen würde.

Wohl auch aus diesem Grund hat sich der Bundesminister Altmaier in Paris mit dem französischem Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire getroffen. Sie haben die weiteren Schritte einer europäischen Batteriezellfertigung besprochen.

Der Bundesminister gab in einer Pressemitteilung bekannt:

 „Batteriezellproduktion ist eine große Chance für Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze in Deutschland und Europa. Das Interesse in der Wirtschaft daran ist groß und mein Ziel ist es, dies politisch zu flankieren und Anschubhilfe zu leisten. Minister Le Maire, Vizepräsident Šefčovič und ich haben heute unter anderem über die mögliche Förderung eines bereits konkret ausgearbeiteten deutsch-französischen Projekts zur Batteriezellfertigung gesprochen. Uns ist es wichtig, dass diejenigen Unternehmen, die über ausgereifte Pläne verfügen, zügig vorangehen können. Die zahlreichen Rückmeldungen auf unseren nationalen Förderaufruf zeigen, dass mehr als ein IPCEI-Projekt möglich ist. Wir werden daher in den nächsten Wochen einen Prozess zur Unterstützung weiterer Unternehmen einrichten, die sich auf den deutschen Förderaufruf beworben haben. Entscheidend ist, dass wir dabei auch weiterhin viele Mitgliedstaaten, weitere Unternehmen und die Europäische Kommission eng einbeziehen. Die große Dynamik innerhalb der EU sollten wir nutzen und intensiv im Hinblick auf unser gemeinsames Ziel zusammenarbeiten: Wettbewerbsfähige und innovative Batteriezellen, die in Europa entwickelt und nachhaltig in Deutschland, Frankreich und anderen Mitgliedstaaten der EU hergestellt werden.“

Die Fertigung von Batterien für die E-Mobilität wird in Zukunft eine große Rolle in der Automobilindustrie spielen. Sie kann sie abhängig von den asiatischen Ländern machen, oder ihr dabei helfen die Spitzenposition in der Automobilindustrie zu halten!

 

 


Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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