Die Macht der Medien am Beispiel von Wirecard – Teil 3

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Wirecard und die Financial Times

Um das Medienspektakel nachverfolgen zu können, haben wir den genauen Ablauf der Veröffentlichungen und Geschehnisse um Wirecard in eine zeitliche Reihenfolge gebracht.

30. Januar 2019   Kurs Aktie Wirecard: 149,10 Euro

Financial Times – Am 30 Januar 2019 veröffentlichte die Financial Times einen Artikel von Dan McCrum. In dem bezichtigte er die Mitarbeiter von Wirecard in Singapore Kunden und Umsätze erfunden zu haben, um eine Lizenz in Hongkong zu bekommen. Die Transaktionen sollten von Edo Kurniawan veranlasst worden sein, der für die Asien-Pazifik Geschäfte des Unternehmens verantwortlich ist.

Unter dem Namen „Project Tiger Summary“ sollten am 7. May 2018 eine Präsentation angefertigt worden sein, die gegen die Gesetze in Singapur verstieß. Darunter sollen die Fälschung von Konten und Geldwäsche sein. Der Whisteblower, der die Financial Times informierte, wäre besorgt, dass die Aktionen keine Folgen innerhalb des Unternehmens hatten.

In dem Artikel schreibt McCrum auch, dass Finanzberichte von Wirecard schon 2008, 2015 und 2016 unter dem Verdacht von Anlegern standen. Er lässt aus, dass Personen für die Marktmanipulationen verklagt wurden.

McCum beschuldigt Wirecard in dem ersten Artikel 37 Million Euro hin und her geschoben zu haben, in sieben verschiedenen komplexen Transaktions-Paketen. In der Präsentation sollen Verträge von 2017 und 2018 mit einem Wert von 13 Millionen Euro beschrieben werden, von von vier Wirecard Töchtern und Flexi Flex, einem Hydraulik und Rohr-Unternehmen aus Singapur und Malaysia. Nach Nachfragen von der Financial Times kennt niemand in Flexi Flex Wirecard und keine Geschäftsverbindungen mit dem Unternehmen hat.

In dem Artikel werden noch weitere Transaktionen bekannt gegeben, die laut McCrum verdächtig erscheinen.

01.02.2019 Kurs Aktie Wirecard: 114,80 Euro

Financial Times – In einem zweiten Artikel vom 1. Februar informiert McCrum die Leser der Financial Times, das Wirecard eine Rechtsanwaltsfirma beauftragt hat, die das Büro in Singapore zu überprüft hat und dabei „schwere Straftaten der Fälschung und / oder der Fälschung von Konten“ laut einem vorläufigen Bericht gefunden hat. Dieser Report soll den Managern von Wirecard auf einer Sitzung am 8. Mai präsentiert worden sein.

Diese neue Enthüllung stellt nach Meinung von McCrum weitere seriöse Fragen über eines der erfolgreichsten internationalen Finanztechnologieunternehmen. Dieser Report soll einer der vielen Dokumente sein, die der Whisteblower der Financial Times übergeben haben soll.

Wirecard gab daraufhin bekannt, das Rajah & Tann Singapore LLP nie irgendwelche Fälle von ungesetzlichen Verhalten von Angestellten in Singapore aufgedeckt hätte.

Laut McCrum wurden aber mindestens ein Dutzend Verträge in Millionenhöhe gefunden, die offensichtlich gefälscht wurden. Diese wurden verwendet, um die Geschäftsziele zu erreichen und die Regulierungsbehörden zu täuschen. Laut McCrum rät der Bericht zu einer tieferen Investigation der Vorfälle.

Am 29. Januar wurde die Aktie von Wirecard mit 167,40 Euro gehandelt. Sie fiel am 31. Januar auf 145,15 Euro. Nach der Veröffentlichung des zweiten Artikels am ersten Januar war die Aktie nur noch 108,50 Euro wert. Es sind 123,5 Millionen Aktien von Wirecard im Umlauf, an den zwei Tagen wurden also schon ein Kapital von 4,5 Milliarden Euro an der Börse vernichtet.

03. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 125,85 Euro
Wirecard veröffentlicht einen Brief von Rajah & Tann. In diesem wird bestätigt, das Rajeh & Tann noch mit der Untersuchung von Wirecard Singapur beschäftigt ist und bis jetzt noch keine eindeutigen Beweise für kriminelles Verhalten von Angestellten des Unternehmens gefunden wurden.

04. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 125,85 Euro

Wirecard veröffentlicht eine Mitschrift einer Telefonkonferenz, mit dem CEO Markus Braun und Alexander von Knoop und verschiedenen Medienvertretern. Er berichtet von einem Angestellten von Wirecard Singapore, der 2018 dem Unternehmen vorwarf, gegen die Buchhaltungsvorschriften zu verstoßen. Laut Braun wurden die Vorwürfe eingehend untersucht und es konnten keine Verstöße festgestellt werden. Braun weist in dem Gespräch darauf hin, das es sich bei den ganzen Verstößen wahrscheinlich um die Streitigkeiten zweier Angestellten handelt, die sich gegenseitig beschuldigen. Er bestätigt auch, das die financial Times dem Unternehmen nie die Dokumente zur Verfügung gestellt hat, auf die sich McCrum bezieht.

07. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 114,85 Euro

Financial TimesIn dem dritten Artikel in der Financial Times erzählt McCrum dann die Geschichte, wie der 33-jährige Edo Kurniwan 6 Mitglieder des Büros in Singapur zusammenruft und ihnen erklärt, wie die Bücher frisiert werden können. Sehr plastisch erzählt McCrum wie der Leiter von der Singapur Filiale die Angestellten zum Betrug ausfordert. Dieser Beitrag fördert keine Fakten oder Beweise zu Tage und nennt auch nicht den Whisteblower.

Er schreibt aber auch, dass mindestens zwei Senior Manager in München von den Praktiken „etwas“ wussten. Es sollen Thorsten Holten und Stephan von Erffa sein, der Finanzmanager und der Chef der Buchhaltung.

Auch in diesem Artikel weist McCrum wieder auf die vergangenen Vorfälle hin. Er scheint auch zu wissen, dass Daniel Steinhoff, Leiter der Compliance aus München, am 13 April nach Singapur flog und sich die Kopien der Emails der betroffenen Angestellten komplett kopieren lies.

Weiterhin macht er weitere Anschuldingen in dem Artikel, ohne tatsächlich Fakten und Beweise zu liefern. Von den Dokumenten, von denen McCrum in seinem Artikel spricht, wird keiner auch nur in Auszügen veröffentlicht.

Am Ende des Artikels wird der Whisteblower von McCrum mit den Worten „Wenn ein Zahlungsdienstleister dies kann, wie kann man dann dem System vertrauen?

07. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 114,85 Euro

Wirecard – Noch am gleichen Tag veröffentlich Wirecard eine Stellungnahme und weist die Medienberichterstattung der FT entschieden zurück. Es wurden keine strafbaren Fehlverhalten von Mitarbeitern festgestellt und das Unternehmen wird die Berichte der Anwaltskanzlei Rajah & Tann nach der Fertigstellung veröffentlichen. In dem heuteigen Artikel der FT ist nichts Wahres enthalten.

08. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 94,96 Euro

Wirecard reagiert nochmals auf den gestern veröffentlichten Artikel in der FT und reklamiert, das hochvertrauliche Dokumente aus einem Compliance-Audit für eine diffamierende Medienberichterstattung verwendet wurden. Sie listen nur die Vorwürfe eines Mitarbeiters gegen eine anderen auf, wegen der im Mai 2018 eine Untersuchung eingeleitet wurde.

Nicht die interne Kommission, weder die Rechtsanwaltkanzlei Rajeh & Tann haben eine Bestätigung der Vorwürfe gefunden. In der gestrigen Berichterstattung werden Mitarbeiter mit unbewiesenen und falschen Behauptungen verleumdet, gegen die Wirecard rechtlich vorgehen wird.

08. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 94,96 Euro

Financial Times – Dan McCrum und Stefanie Palma veröffentlichen einen Artikel, in dem Sie von einer Razzia in den Büros von Wirecard in Singapur berichten und dies als einen erheblichen Schritt der Ermittlungsbehörden bezeichnen. Genau wird berichtet: (Die Polizei von Singapur hat heute die Räumlichkeiten von Wirecard in Singapur überfallen”, sagte ein Polizeisprecher am Freitag der Financial Times. Nach Angaben einer Person, die mit der Situation vertraut ist, stürzten um 10:30 Uhr etwa 10 Polizisten der Polizeiabteilung für Handel in Singapur in die Büros von Wirecard in Singapur.) McCrum berichtet von beschlagnahmter Elektronik und Laptops.

08. Februar 2019 Kurs Aktie Wirecard: 94,96 Euro

Wirecard – In einer zweiten Stellungnahme bestätigt Wirecard die Untersuchungen ordnungsgemäß abzuschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Polizei in Singapur wurde umfassendes Material für die Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen bestätigt nochmals, dass alle Behauptungen gegen Mitarbeiter von Wirecard unbegründet sind und das das Unternehmen eng mit der Polizei in Singapur zusammenarbeitet.

Wirecard bestätigt später, dass die Singapurer Polizei in dem Büro von der Singapurer Filiale war und das Unternehmen relevante Unterlagen zu dem Fall übergeben hat.

Lesen Sie den 4. Teil ders Serie morgen hier!


Thomas Pentzek wanderte 1992 nach Mexiko aus und hat 20 Jahre in führenden Positionen in der Automobil- und Textilindustrie gearbeitet. Durch die praktische Erfahrung in der Industrie, in internationalen Unternehmen wie Volkswagen, Ford und Nissan, sowie mit vielen Automobilzulieferanten, konnte er viele Erfahrungen im Controlling sowie Lean Management und Six Sigma machen.

Seit 2012 arbeitet er als freier Journalist und Autor. In dieser Zeit entstanden einige Bücher über das Unternehmensmanagement.

 

Thomas Pentzek auf: LinkedIn

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