Heckler & Koch meldet trotz guter Geschäfte weiterhin Verluste an

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Der Waffenhersteller Heckler & Koch steckt weiterhin in der Krise. Schon das zweite Jahr in Folge muss das Unternehmen trotz guter Geschäfte Verluste anmelden.

Volle Auftragsbücher und höhere Umsätze scheinen nicht zu helfen. Das Traditionsunternehmen Heckler & Koch muss einen Verlust von 8, 1 Millionen Euro bekannt geben. Im Gegensatz zu den 13,4 Millionen Euro im Jahre 2017 ist das zwar eine Verbesserung, angesichts der guten Geschäftslage aber nur ein kleiner Trost.

Der Waffenhersteller erzielte im letzten Jahr mit 221 Millionen Euro einen 21 Prozent höheren Umsatz, allerdings stiegen auch die Kosten für Material und Personal weiter an. Probleme macht auch das aufgenommene Fremdkapital. Heckler & Koch musste weitere 50 Millionen Euro aufnehmen und die Gesamtsummer beläuft sich jetzt auf 231 Millionen Euro. Die Firmenleitung kommentierte die Entwicklung mit neuen Produktionsabläufen, die ihr volles Potenzial noch nicht entfaltet haben. Diese Restrukturierung soll aber mittelfristig zu einer verbesserten Effizienz und einer besseren Liefersituation führen.

Neue Heckler & Koch Chefetage bringt keine besseren Ergebnisse

2018 wurde die komplette Chefetage bei Heckler & Koch neu besetzt. Grund dafür waren unter anderem Qualitätsmängel und illegale Lieferungen von Waffen nach Mexiko. Die von Heckler & Koch ausgelieferten Dienstpistolen wurden von der Berliner Polizei beanstandet, während andere Bundesländer mit der Qualität zufrieden waren. Die Lieferung von Waffen nach Mexiko hatte allerdings legale Konsequenzen. Das Stuttgarter Landesgericht verklagte das Unternehmen und will 3,7 Millionen Euro Verkaufserlöse einziehen. Das Gerichtsverfahren befindet sich noch in der Revision.

Auch wenn Heckler & Koch Hoffnungen auf neue Großaufträge der Bundeswehr hegt, die das Standardgewehr G36 durch ein neueres Modell ersetzen will, warten auf die Geschäftsleitung noch viele interne Probleme. Anfang April erklärten sich die 800 Mitarbeiter bereit, 2,5 Stunden in der Woche ohne Lohnausgleich mehr zu arbeiten. Die Mitglieder der IG-Metall im Unternehmen entschieden dies auf einer Versammlung. Die Entscheidung war aber mit 50,44 Prozent äußerst knapp und das Misstrauen der Arbeiter gegenüber der Firmenleitung wird immer grösser.

Mittlerweile zweifeln viele Mitarbeiter daran, dass die Lage des Unternehmens wirklich so schlimm ist, dass sie unbezahlte Mehrarbeit leisten müssen. Die Wahlen werden Mitte Mai wiederholt und die Firmenleitung beteuert, das auch auf der Arbeitgeber- und Kapitalseite ein großer Beitrag geleistet wird. Außerdem hat sich das Unternehmen zu hohen Investitionen in dem Werk in Oberndorf verpflichtet.

Peter Nienaber ist freier Journalist und spezialisiert auf Finanz- und Investment-Themen.

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