Die ungerechte Welt von Google – Kein „Don`t be evil“ mehr?

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Die heile Welt von Google scheint zu zerbrechen, die Vorwürfe wegen sexueller Belästigungen reißen nicht ab und jetzt wird Kritik an der Problembewältigung des Unternehmens laut.

Im November 2018 legten viele Mitarbeiter von Google die Arbeit nieder. Sie warfen dem Unternehmen Sexismus, Rassismus und Machtmissbrauch durch Führungskräfte vor. Das Unternehmen von Larry Page und Sergey Brin hatte die Möglichkeit den Vorwürfen nachzugehen, entschied sich aber sie vor den Aktionären zu verschleiern.

So stellen es die Anleger dar, die jetzt die beiden Firmengründer, den amtierenden Chef Sundar Pichai, das Vorstandmitglied John Hennessy und seinen Vorgänger Eric Schmidt verklagt haben. Obwohl angezweifelt werden kann, dass die Ankläger aus humanitären Gründen das Unternehmen angeklagt haben, steht die Problembewältigung des Unternehmens bei der Anklage im Fokus. Den Anlegern sollen finanzielle Schäden durch die Verschwendung von Firmengeldern entstanden sein, mit denen Google die sexuellen Übergriffe zu vertuschen versucht habe.

Die Personen auf der höchsten Führungsriege von Google sollen Ihre Offenlegungspflicht verstoßen haben und Firmengelder für die versuchte Vertuschung verschwendet haben. In der Anklage ist auch die Rede von der verletzten Fürsorgepflicht gegen die Mitarbeiter, letztendlich geht es den Anklägern aber in erster Linie um das unrechtmäßige und unehrenhafte Verhalten der Topmanager.

Google hat nicht versucht den Anschuldigungen nachzugehen, sondern hat die Top-Manager mit hohen Abfindungen entlassen. Explizit wird in der Anklage Andi Rubin genannt, der seine Untergebene zum Oralsex gezwungen haben soll und daraufhin mit 90 Millionen USD abgefunden wurde. Laut den Anklägern wurden zahlreiche Manager, gegen die interne Untersuchungen wegen sexueller Übergriffe eingeleitet wurde, mit hohen Summen abgefunden, bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden konnten.

Armit Singhal konnte nach glaubwürdigen Anschuldigungen wegen sexueller Belästigungen 2016 ruhig zurücktreten und erhielt ebenfalls 15 Millionen USD. Wenn er keinem Konkurrenzunternehmen beitritt, erhält er nach 36 Monaten nochmals 15 Millionen USD.

Nach den Demonstrationen im November 2018 musste Google zugeben, das 48 Personen im Unternehmen wegen sexueller Belästigungen gekündigt wurde. Darunter befanden sich auch 13 leitende Angestellte.

Der Aktionär James Martin verklagt jetzt die derzeitigen Direktoren von Alphabet, weil sie durch ihr unrechtmäßiges Verhalten das illegale ausweiten und fortbestehen der sexuellen Belästigungen unterstützt haben. Ihnen sollen die sexuellen Diskriminierungen und Belästigungen bekannt gewesen sein und sie haben die Mitarbeiter sogar dazu ermutigt. Die Klage zielt auf die Abfindungen hinaus, die den ehemaligen Angestellten als Abfindung gezahlt wurden.

Ein weiterer Grund für die Klage ist die Abschaffung der Dreiklassen-Aktie, die die Google Gründer bis jetzt zu ihrem Vorteil aufrecht zu erhalten.

Eine Dreiklassen-Aktie macht den Google Führungsstil erst möglich!

In Alphabet wird eine bewährtes Aktienprinzip genutzt, das den Gründern viele Freiheiten ermöglicht. Während in normalen börsennotierten Unternehmen einmal in einem Quartal Rechenschaft abgelegt werden muss und dieser durch den Verwaltungsrat abgenommen werden muss, haben die Google Gründer den kurzen Dienstweg gewählt.

Sie haben sich das absolute Stimmrecht schon bei dem Börsengang 2004 gesichert. Die Aktie wurde in drei verschiedenen Versionen ausgegeben. Die A-Aktie gewährt dem Besitzer pro Wertpapier ein Stimmrecht und einen Anteil an dem Unternehmen. Die später ausgegebene C-Aktie verleiht kein Stimmrecht, nur die Beteiligung an der Kursentwicklung.

Die Teilhaber der ersten Stunden besitzen Aktien des Typs B. Sie sind nicht börsennotiert, verleihen dem Besitzer aber ein zehnfaches Stimmrecht und Anteile am Unternehmen. Die Konsequenz, Larry Page und Sergey Brin besitzen durch die 13 Prozent der Aktien (Typ B) 52 Prozent der Stimmrechte des Unternehmens. Ohne ihre Genehmigung läuft deswegen nichts in dem Konzern. Sie haben bis jetzt auch jeden Versuch, das abgestufte Stimmrecht abzuschaffen, im Keim erstickt.

 

 


Peter Nienaber ist freier Journalist und spezialisiert auf Finanz- und Investment-Themen.

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