Der Bruch eines Aufwärtstrendkanals ist nicht automatisch bearish

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Die Märkte verhalten sich in dieser Woche bislang sehr ruhig. Das liegt einerseits daran, dass die US-Börsen gestern feiertagsbeding geschlossen blieben. Und ohne die richtungsweisenden Kursentwicklungen von dort tendierten auch die Notierungen hierzulange lediglich orientierungslos und in sehr engen Bahnen seitwärts. Andererseits pendelten die Kurse aber auch gestern lediglich unter relativ geringer Volatilität seitwärts. Als Grund dafür kann der heutige Mangel an für die Börse relevanten Nachrichten genannt werden.

DAX keilt sich ein

Für die Seitwärtstendenz des DAX ist aber auch die aktuelle charttechnische Situation verantwortlich. Denn der deutsche Leitindex bildet gerade ein symmetrisches Dreieck aus. Von oben drückt weiterhin die Konsolidierungslinie auf die Kurse (siehe roter Pfeil im folgenden Chart). Und von unten erhalten sie vom Aufwärtstrendkanal Unterstützung (grüner Pfeil).

DAX - Target-Trend-Analyse

Grundsätzlich ist dieses Kursverhalten bullish zu werten. Denn derartige Seitwärtskonsolidierungen in Form eines symmetrischen Dreiecks gelten als trendbestätigend. Und so wäre ein Ausbruch nach oben und somit die Fortsetzung des Aufwärtstrends zu erwarten.

Der DAX ist noch überkauft

Allerdings verlief der Aufwärtstrend bislang recht steil. Er führte im DAX binnen nur etwas mehr als 4 Monaten zu einem Kursanstieg von rund 20 %. Und die aktuelle, bislang recht kurze Konsolidierung reicht noch nicht aus, um die deutlich überkaufte Lage des DAX abzubauen. Daher bestehen an einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung zum aktuellen Zeitpunkt noch Zweifel.

Ein Bruch des Aufwärtstrendkanals ist nicht automatisch bearish

Kommt es stattdessen zu einem Bruch der unteren Linie des Aufwärtstrendkanals, wäre dies charttechnisch erst einmal ein bearishes Signal. Allerdings sollte man in diesem Fall zunächst genau beobachten, wie sich die Kurse anschließend verhalten. Denn ein solches bearishes Signal bedeutet nicht, dass die Kurse direkt stark fallen müssen. Es beendet vielmehr lediglich den bisherigen Aufwärtstrend.

Bleiben die Kurse im Anschluss ruhig und stabil, könnte der DAX seitwärts aus dem Trendkanal herauslaufen. Und damit würde sich einfach nur die von mir erwartete moderate Konsolidierung fortsetzen. Mit ihr wird die überkaufte Situation im Zeitablauf abgebaut und so die Basis für bald wieder steigende Kurse gelegt. Allerdings muss sich dann erst entscheiden, ob die Kurse nach oben oder unten aus der Seitwärtsbewegung ausbrechen. Meist ist eine solche Seitwärtstendenz (= Rechteck) allerdings trendbestätigend und daher eher bullish zu werten.

Häufig, wenn die Kurse seitwärts aus einem Trendkanal herauslaufen, führt das auch lediglich dazu, dass sich ein flacherer oder breiterer Aufwärtstrend etabliert. Und das wäre dann ebenfalls bullish zu werten.

Geben die Kurse mit dem Trendbruch allerdings dynamisch nach, könnte sich damit eine klassische ABC-Korrektur ausbilden. Auch diese wäre nicht bearish zu werten. Denn es wäre einfach nur eine stärker abwärts gerichtete Form einer moderaten Konsolidierung (= Flagge).

Fibonacci-Marken zeigen einen starken Markt an

Bislang spricht vieles nur für moderate Konsolidierungen an den Aktienmärkten. So auch die Fibonacci-Marken. Zur Erinnerung: Am 9. Mai hatte ich geschrieben, dass man bearishe Szenarien erst stärker in Erwägung ziehen muss, wenn der DAX mehr als 61,80 % seiner Aufwärtsbewegung korrigiert, also bis unter 11.102,97 Punkte fällt (siehe „DAX: Auf das Ausmaß der Gegenbewegung kommt es jetzt an“). Bislang findet der DAX aber bereits am 23,60%-Fibonacci-Retracement Unterstützung.

DAX - Fibonacci-Retracements

Selbst wenn der Index nun bis an die 38,20er Marke bei 11.926,74 Punkten fällt, wäre damit nur das Mindestziel einer Gegenbewegung erreicht.

Fazit

Das kurzfristige Chartbild im DAX ist aktuell noch als klar bullish zu werten. Selbst wenn der steile Aufwärtstrendkanal in Kürze gebrochen wird, ist dies noch kein klares Verkaufsignal.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage

Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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