Chinas Wachstumsschwäche belastet

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In den vergangenen Tagen hat es aus Sicht der Börsen zwar einige positive Meldungen zum Brexit und zum Handelsstreit gegeben, für die Wirtschaft zählbares ist dabei aber noch nicht herumgekommen. Im Gegenteil: Seit heute sind die neuen Strafzölle der USA auf Importgüter aus Europa aufgrund der illegalen Airbus-Subventionen in Kraft. Es ist also zu erwarten, dass sich die zukünftigen Konjunkturdaten in der Eurozone weiter eintrüben werden.

Chinas Wachstum schwächt sich weiter ab

Wie sehr US-Zölle belasten können, zeigen die gestrigen Daten vom Statistikamt in Peking. Demnach hat sich das Wachstumstempo der chinesischen Wirtschaft weiter verlangsamt und ist auf den niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren gefallen. Im 3. Quartal 2019 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nur noch um 6,0 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in China

Im 1. Quartal 2019 lag das Wachstum noch bei 6,4 % und im 2. Quartal 2019 bei 6,2 %. Für die vergangenen drei Quartale zusammen liegt die Rate mit 6,2 % schon nur noch im unteren Bereich der Zielvorgabe der chinesischen Regierung für das Gesamtjahr von „6,0 % bis 6,5 %“. Und da ein höheres Wachstumstempo im 4. Quartal aktuell nicht zu erwarten ist, dürfte das Ziel nur knapp erreicht werden.

China steht für ein Fünftel des weltweiten BIP

Warum das Ganze nicht nur für China problematisch ist, zeigt die folgende Grafik von Statista. Denn demnach beträgt der Anteil Chinas am weltweiten BIP mit zunehmender Tendenz beinahe ein Fünftel.

Anteile ausgewählter Länder am weltweiten BIP

Und wenn die chinesische Wirtschaft schwächelt, dann bekommt das auch der Rest der Welt zu spüren. Nimmt nämlich in China der Konsumhunger ab, dann wird China aus dem Ausland weniger Güter nachfragen. Und dass dies aktuell der Fall ist, zeigen die Außenhandelsdaten. Während die chinesischen Exporte im September um 3,2 % zum Vorjahr gesunken sind, schrumpften die Importe sogar um 8,5 %.

Auch und gerade Deutschland leidet unter dieser Entwicklung. Denn China ist Deutschlands größter Handelspartner. Und so haben auch deutsche Unternehmen unter dem schwächeren Wachstum im Reich der Mitte zu leiden.

Die US-Regierung schüttet immer wieder Öl ins Feuer

Daher wäre es für DAX & Co.-Anleger sehr wichtig, dass den jüngsten Signalen der Entspannung auch echte Taten folgen. Dabei reicht es nicht aus, dass im US-chinesischen Handelsstreit keine neuen Zölle erhoben werden, es müssen vielmehr auch erhobene Zölle abgeschafft werden. Doch immer wieder scheinen die USA Öl ins Feuer zu gießen und die erzielten Teilerfolge damit zu torpedieren.

So löste erst kürzlich die Annahme eines Gesetzentwurfs im US-Abgeordnetenhaus zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong neue Spannungen zwischen China und den USA aus. Der US-Gesetzentwurf schreibt Wirtschaftssanktionen vor, wenn China die Autonomie Hongkongs untergraben sollte. Zudem soll jährlich geprüft werden, ob die Volksrepublik die Bürgerrechte und den Rechtsstaat in Hongkong untergräbt. Peking warf den US-Parlamentariern daraufhin eine „schwere Einmischung in innere Angelegenheiten“ vor.

Wenig später verlangte die US-Regierung, dass chinesische Diplomaten in den USA ab sofort jedes Treffen mit staatlichen Vertretern oder offizielle Besuche in Bildungs- und Forschungseinrichtungen vorab dem US-Außenministerium melden müssen. Begründet wurde diese Maßnahme damit, dass US-Diplomaten in China um Erlaubnis für solche Gespräche und Besuche bitten müssten, die ihnen oftmals verwehrt werde. Peking bestreitet, dass China die Aktivitäten US-amerikanischer Diplomaten beschränke.

Diese politischen und diplomatischen Entwicklungen lassen Zweifel am Erfolg der laufenden Verhandlungen im Handelsstreit aufkommen.

Aktienmärkte kommen nicht weiter vorwärts

Und so verwundert es wohl auch nicht, dass dem DAX nach wie vor nicht der nachhaltige Ausbruch aus seiner Seitwärtskonsolidierung gelungen ist, was ebenso für die US-Indizes gilt. Und auch der Aktienmarkt in China tut sich mit weiteren Kursgewinnen schwer. Es braucht also eine nachhaltige Deeskalation in Sachen Handelsstreit mit einer ebenso nachhaltig positiven Wirkung auf die Wirtschaft, um die Aktienkurse weiter zu beflügeln.

Nicht nur der DAX könnte dann seine zweite Aufwärtswelle fortsetzen (siehe vorgestrige Börse-Intern). Der Shanghai Composite befindet sich in einer ähnlichen Situation. Nach seiner ABC-Korrektur (blaue Buchstaben im Chart) kam es wieder zu einer ersten Aufwärtswelle (graue 1), auf die eine typische Gegenbewegung folgte (Welle 2). Und inzwischen könnte eine zweite Aufwärtswelle (Welle 3) gestartet sein (grüner Pfeil).

Shanghai Composite - Chartanalyse

Doch damit sich diese fortsetzen kann, benötigt es eben weitere positive Nachrichten. Ansonsten könnte sich auch die Welle 2 (grau) noch zu einer ABC-Korrektur ausweiten (siehe Kleinbuchstaben im folgenden Chart).

Shanghai Composite - Chartanalyse

Ein Indiz für dieses Szenario wäre ein Bruch der kurzfristigen Aufwärtstrendlinie, bevor das Hoch der Welle b überschritten wird.

Fazit

Ob DAX, Dow Jones oder Shanghai Composite – grundsätzlich sind die Chartbilder, je nach Sichtweise, aktuell bullish und weiter steigende Kurse erscheinen möglich. Doch ohne handfeste Signale für eine Beilegung der Handelsstreitigkeiten sieht es für eine Fortsetzung der aktuellen Aufwärtsbewegungen an den Aktienmärkten mau aus.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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