DAX steigt schon wieder – Keine Zeit für eine Korrektur

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Gestern standen sofort wieder Käufer bereit, die nach fast 300 Punkten Minus im Deutschen Aktienindex bei Aktien zugriffen und so für eine starke Umkehrbewegung sorgten. Das Ganze setzt sich heute Morgen fort, nachdem auch an der Wall Street die Optimisten die Oberhand behielten und die Kurse gar nicht erst stärker korrigieren ließen. Es ist das typische Verhalten eines Bullenmarktes – nach scharfen, kurzen Einbrüchen steigen die Kurse weiter. Im DAX ist die Hoffnung auf neue Jahreshochs über 12.450 Punkten nach nur einem Tag schon wieder zurückgekehrt.

Wie viel Verhandlungstaktik steckte im Tweet von US-Präsident Trump – das dürfte die große Frage auf dem Parkett bleiben. US-Finanzminister Mnuchin sagte noch in der Nacht, dass das Weiße Haus von neuen Strafzöllen gegen China absehen werde, wenn die Gespräche zurück in gewohnte Bahnen fänden. Heute Morgen nun sorgt die Nachricht für gute Stimmung, dass der chinesische Vizepräsident Donnerstag und Freitag in Washington sein wird. Seine Teilnahme an den Gesprächen bringt die Hoffnung zurück, dass der Druck Trumps fruchtet und ein Handelsabkommen geschlossen werden kann. Der Donnerstag wird mit der Frage, ob ein Deal am Ende steht oder fällt, zum alles entscheidenden Tag an den Börsen.

Eines steht auf jeden Fall fest: Ohne ein Abkommen und mit neuen Strafzöllen wird es schwer, die Hoffnung auf eine zweite bessere Jahreshälfte in der Weltwirtschaft und bei den Unternehmensgewinnen an den Märkten am Leben zu halten. Bislang ist eine konjunkturelle Erholung noch nicht wirklich zu sehen, sie fußt fast ausschließlich auf psychologischen Faktoren, die sich schnell wieder ins Gegenteil verkehren können, wenn sich das Umfeld ändert.

Technisch betrachtet – und das ist der Optimismus der Wall Street – wurde im S&P 500 gestern das alte Rekordhoch aus dem Januar 2018 getestet. Solange der Markt über 2.877 Punkten bleibt, ist dies eine Verhaltensänderung gegenüber Herbst vergangenen Jahres, wo er darunter fiel, eine Bullenfalle vervollständigte und dann in den Ausverkaufsmodus überging.

Jochen Stanzl ist Chef-Marktanalyst bei CMC Markets in Frankfurt. Davor war er über 15 Jahre bei der BoerseGo AG als Finanzmarktanalyst tätig und hat unter anderem die Portale GodmodeTrader, Jandaya und die Investment- und Analyseplattform Guidants mit aufgebaut und als erfolgreiche Kanäle in der deutschen Trading-Community etabliert. Sein analytischer Fokus liegt auf der Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse von Währungen, Rohstoffen, Anleihen und der weltweiten Aktienmärkte.

 

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