Warum der gestrige Rückfall fatal für den DAX sein könnte

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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

der Handelskonflikt zwischen den USA und China, um den es lange ruhig war, hat den Anlegern wieder einmal einen Strich durch die bullishe Rechnung gemacht: Nachdem US-Präsident Trump vorgestern verkündet hat, die Einführung der angedrohten höheren Zölle vorzuziehen, brachen die Börsen weltweit merklich ein. Für den DAX könnte dieser Rückfall mit Blick auf den Verfallstag in der kommenden Woche womöglich fatal sein.

Die Stillhalter konnten den DAX bisher zügeln

Den Grund zeigt das folgende Verfallstagsdiagramm:

Verfallstagsdiagramm DAX Mai 2019

Nach dem Ausbruch über die 12.300-Punkte-Marke in der Woche nach Ostern hat der DAX die größte Call-Position (blaue Säulen) der aktuellen Verfallstagspositionierungen hinter sich gelassen. Normalerweise wäre das ein Signal für weiter (dynamisch) steigende Kurse, weil daraufhin entsprechende Absicherungsmaßnahmen der Stillhalter zu erwarten sind.

Der DAX bewegte sich seitdem aber eher verhalten nach oben – ein Zeichen dafür, dass die Stillhalter eher versuchten, den DAX wieder unter diese wichtige Marke zu drücken. Und gestern ist ihnen das auch endgültig gelungen, mit freundlicher Schützenhilfe von Donald Trump.

Damit dürften die Stillhalter Morgenluft wittern, denn bei 12.150 und 12.000 Punkten liegen weitere große Call-Positionen. Und mit dem nun begonnenen dynamischen Rückfall könnten diese Niveaus leicht erreicht werden – was den Stillhaltern Gelegenheit gäbe, die entsprechenden Absicherungspositionen wieder aufzulösen.

Das ideale Ziel zum Verfallstag

Ein solches Szenario ist auch aus charttechnischer Sicht plausibel:

DAX - Tageschart seit Juni 2018

Nach dem gestrigen Rückfall ist es für den DAX nicht mehr weit zurück bis zu runden 12.000er Marke. Und diese könnte den Kurs bis zum Verfallstag am Freitag nächster Woche in ihrem Bann halten, denn genau am Verfallstag (siehe senkrechte gestrichelte Linie) liegt dort ein kleines Target, dass aus der 12.000-Punkte-Marke, der Oberkante des bisherigen übergeordneten Abwärtstrends (rot) sowie einer Parallellinie des aktuellen Aufwärtstrends (grün) gebildet wird.

Damit ist die 12.000er Marke das ideale Kursziel zum Verfallstag, zumal dort auch das Minimum der „Schüsselkurve“ (siehe unterer Teil des Verfallstagsdiagramms) liegt und außerdem auch ein Test des roten Abwärtstrends erfolgen würde, der den Ausbruch vom April bestätigt.

Beachten Sie aber auch das bearishe Szenario!

Ein solcher – relativ moderater – Kursrückgang würde auch die überkaufte Lage etwas abbauen, in der sich der DAX bislang befand. Alternativ dazu könnte der DAX aber auch weiter zurückfallen, denn das Verfallstagsdiagramm oben zeigt auch, dass eine weitere sehr große Call-Position (die zweitgrößte überhaupt) bei 11.700 Punkten liegt.

Und in diesem Bereich liegt die Unterkante der grünen Unterstützungszone, die der DAX Anfang April überwand. Auch sie könnte nochmals getestet werden, wozu der Verfallstag durchaus geeignet ist. In diesem eher bearishen Szenario würde der DAX wieder in den roten Abwärtstrend zurückfallen und dürfte dann einem anderen Aufwärtstrend folgen, z.B. innerhalb der gestrichelten blauen Linien.

Dann müssten sich die Bullen allerdings den Ausbruch aus dem roten Kanal erneut erarbeiten. Wenn ihnen das nicht gelingt, könnte der DAX aber auch seine übergeordnete Abwärtsbewegung wieder aufnehmen. Dafür spricht auch, dass der DAX mit dem gestrigen Rücksetzer de facto am 61,8%-Niveau der bisherigen Abwärtsbewegung bei 12.329 Punkten gescheitert ist (siehe letzter Chart der Börse-Intern vom 30.04.2019).

Warum eine positive Überraschung unwahrscheinlich ist

Während also dieses bearishe Szenario eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat, sehe ich aktuell wenig Chancen für das – theoretisch ebenfalls mögliche – bullishe Szenario. Dabei würde der DAX kurzfristig seine Aufwärtsbewegung wieder starten, die rote Widerstandszone überwinden und die Oberkante des rechten blauen Rechtecks ansteuern, die das Kursziel aus der möglichen Measured-Moves-Bewegung seit dem Dezember-Tief ist.

Ein solcher Anstieg wäre nur bei entsprechenden Absicherungsmaßnahmen der Stillhalter vorstellbar, also einem erneuten, dann aber dynamischen Bruch der 12.300er Marke sowie einem zügigen Hochlauf bis 12.650 Punkte, wo die nächste große Call-Position liegt, welche die Stillhalter unter Druck setzen würde. Aber wie gesagt, diese Variante halte ich momentan für ziemlich unwahrscheinlich, weil der DAX immer noch überkauft, die Bullen ermüdet und durch den gestrigen Rückfall vorerst die Bären am Ruder sind.

Auch aufgrund der eher negativen fundamentalen Bedingungen, die Sven Weisenhaus hier in den vergangenen Ausgaben erläutert hat, sind für mich bis zum Verfallstag die beiden Korrekturszenarien am wahrscheinlichsten. Und im Fall des bearishen Szenarios (Rückfall in den roten Abwärtstrend) und mit Blick auf das typische saisonale Börsenmuster („Sell in May…“) könnte sich der heutige Rückfall tatsächlich als fatal erweisen.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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