DAX tut sich schwer mit der Erholung – Viel zerschlagenes Porzellan

Nachdem die Bullen jahrelang an der Börse das Sagen hatten, scheinen die Bären nun das in drei Wochen nachholen zu wollen, worauf sie mehr als ein Jahrzehnt warten mussten. Meister Petz hat die Aktienmärkte weiter voll im Griff. Und tatsächlich wirkt der Crash für viele Anleger wie ein Märchen, eine Erzählung, die in Wirklichkeit nicht stattfindet. Selbst Profis reiben sich die Augen und schütteln nur noch den Kopf. Spürbar sind das blanke Entsetzen und die Angst vor dem Unbekannten.

Die Anleger handeln vollkommen irrational und lassen sich vollständig von ihren Emotionen treiben. Das Ergebnis ist beinahe täglich auf den Kurstafeln der weltweiten Börsen in tiefrot abzulesen. Der Dow Jones beendete gestern den schwächsten Handelstag seit 1987, knapp an dieser historischen Marke vorbeigeschrammt ist der DAX mit einem Minus von über zwölf Prozent. Die Krypto-Börsen erlebten ebenfalls einen weltweiten Ausverkauf. Der Bitcoin rauschte zeitweise auf unter 4.000 US-Dollar nach unten.

Seit den frühen Morgenstunden können sich die asiatischen Börsen nun erholen. Einen Grund dafür gibt es nicht. Es handelt sich vermutlich um eine bloße technische Gegenbewegung von Profis, die Leerverkaufsgewinne eindecken. Möglicherweise sind auch die um Mitternacht in Italien und Spanien erlassenen Leerverkaufsverbote ein Warnsignal für Leerverkäufer, aus ihren Positionen auszusteigen.

Die Europäische Zentralbank hat gestern nur das kleine geldpolitische Kaliber abgefeuert. Das hielt man in den Beratungen, die wenige Stunden später in der US-Notenbank geführt wurden, allerdings nicht für ausreichend. EZB-Präsidentin Lagarde machte klar, dass die Geldpolitik aktuell nicht die erste Verteidigungslinie gegen die wirtschaftlichen Probleme sei, die aus dem Virus resultierten. In Washington dagegen sah sich die Federal Reserve wenige Stunden später als genau die Instanz, die den Markt nun stützen muss. Erneut drängt sich der Verdacht auf, dass hier eher politische Entscheidungen getroffen werden. US-Präsident Trump wurde bei einem Dow Jones Indexstand jetzt nur noch 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs ins Amt gewählt.

Im DAX ist in den vergangenen drei Wochen viel Porzellan zerschlagen worden. Nach dem Fall der Unterstützung bei 10.486 Punkten droht nun der Rutsch auf knapp unter 8.700 Zähler. Dazwischen befindet sich der Index im charttechnischen Niemandsland und hat damit ein Schwankungspotenzial von knapp 1.800 Punkten, ohne eine eindeutige Richtung vorzugeben.

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Jochen Stanzl ist Chef-Marktanalyst bei CMC Markets in Frankfurt. Davor war er über 15 Jahre bei der BoerseGo AG als Finanzmarktanalyst tätig und hat unter anderem die Portale GodmodeTrader, Jandaya und die Investment- und Analyseplattform Guidants mit aufgebaut und als erfolgreiche Kanäle in der deutschen Trading-Community etabliert. Sein analytischer Fokus liegt auf der Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse von Währungen, Rohstoffen, Anleihen und der weltweiten Aktienmärkte.

 

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