Der DAX wäre ohne die US-Indizes klar bullish

Der DAX pendelt aktuell um die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten. Dabei stellt sich die Frage, ob ein kürzlich erfolgter Rücksetzer vom Rekordhoch bei 16.290,19 Punkten nur eine normale Gegenbewegung auf die vorangegangenen Kursgewinne war und es nun wieder zu steigenden Kursen kommt oder der DAX seine große Seitwärtstendenz fortsetzt, in deren Rahmen die Kurse auch wieder tief in die alte Seitwärtsrange zurückfallen können (gelbes Rechteck im folgenden Chart).

DAX - Target-Trend-Analyse

Die übergeordnete Tendenz ist jedenfalls aufwärtsgerichtet. Dabei kann man das Rekordhoch als höheres Hoch und den jüngsten Test der Mittellinie bei 15.075 Punkten als höheres Tief betrachten, womit der übergeordnete Aufwärtstrend intakt scheint.

Das sind aktuell die wichtigen Marken im DAX

Ein Sprung über die Rechteckgrenze bei 16.140 Punkten macht einen erneuten Angriff auf das aktuelle Rekordhoch wahrscheinlich. Und im zweiten Anlauf wäre dann auch ein neues Hoch denkbar. Fällt der deutsche Leitindex aber unter das Tief des jüngsten Rücksetzers an der Mittellinie bei 15.785 Punkten zurück, weitet sich der Rücksetzer zumindest zu einer ABC-Korrektur aus. Und da der DAX damit erneut in die alte Seitwärtsrange zurückfallen würde, müsste man mit einer Fortsetzung der großen Seitwärtstendenz rechnen.

Diese große Seitwärtstendenz kann man aber immer noch als Konsolidierung im vorangegangenen Aufwärtstrend betrachten. Sie ist damit trendbestätigend und somit bullish zu werten. Und betrachtet man die fundamentale Bewertung, dann kann man für unsere heimischen Aktienmärkte weiterhin bullish sein.

Europäische Aktien deutlich günstiger zu haben als US-Werte

So ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vom europäischen STOXX 600 inzwischen deutlich in die Nähe des langjährigen Durchschnitts gefallen, womit er wesentlich günstiger bewertet ist als sein US-Pendant (S&P 500).

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): euroäische vs. US-amerikanische Aktien
(Quelle: Berenberg Bank)

Vor allem auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses sind US-Aktien nach wie vor extrem hoch bewertet und europäische Aktien dagegen relativ günstig zu haben, so die Analyse der Bank Berenberg.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
(Quelle: Berenberg Bank)

Das mag auch daran liegen, dass die Gewinnerwartungen für die US-Unternehmen höher liegen.

erwartetes Gewinnwachstum 2022 und 2023
(Quelle: Berenberg Bank)

Aber man muss sich schon die Frage stellen, ob die aktuellen Bewertungen insbesondere der US-Indizes noch gerechtfertigt sind, da für das laufende und das nächste Jahr aktuell nur noch einstellige Gewinnwachstumsraten erwartet werden. Und ebenso muss man sich die Frage stellen, was aus dem möglichen Aufwärtspotenzial des DAX wird, wenn die US-Indizes nach unten abdriften.

Fazit

Für mich ist jedenfalls klar, dass ich weiterhin auf fallende Kurse bei den US-Indizes warte, während ich an den heimischen Märkten nach einzelnen Kaufgelegenheiten suche. Dabei gehe ich allerdings sehr selektiv vor und setze ausschließlich auf günstig bewertete Aktien. Denn diese haben inzwischen weit bessere Chancen, bei neuerlichen Rücksetzern stärker abzuschneiden als hoch bewertete Titel. Und wenn die Aktienmärkte freundlich bleiben, sehe ich auch dann das höhere Kurspotential bei Aktien, die jetzt noch zu Schnäppchenkursen zu haben sind.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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