Wenn die Aktienrückkäufe weiter nachlassen…

Der DAX hat gestern ein neues bullishes Signal gesendet. Doch bevor ich darauf genauer eingehe, muss ich die Freude darüber leider etwas trüben und kurz auf die Analyse vom vergangenen Freitag zurückkommen. Darin war zu lesen, dass die Unternehmen aus dem S&P 500 mit ihren aktuellen Geschäftsergebnissen besser als erwartet abgeschnitten haben und „nur“ einen durchschnittlichen Gewinnrückgang von 2,3 % hinnehmen mussten, während vor Beginn der Berichtssaison ein Wert von -4,1 % erwartet wurde. Das ist also die relativ gute Nachricht.

Die Gewinne fielen schwächer aus als auf den ersten Blick erkennbar

Was in der Analyse aber noch nicht berücksichtigt wurde: die Gewinne sind „geschönt“. Denn die Unternehmen aus dem S&P 500 haben massiv eigene Aktien gekauft. Dadurch verteilt sich der Gewinn, den die Unternehmen jeweils erwirtschaftet haben, auf weniger Aktien. Selbst wenn ein Unternehmen also keinen Gewinnanstieg verbuchen kann, fällt durch Aktienrückkäufe zumindest die Kennzahl „Gewinn pro Aktie“ höher aus.

Mit anderen Worten: Der eigentlich höhere Gewinnrückgang bei den S&P 500-Unternehmen wird durch die Aktienrückkäufe kompensiert und fällt damit bei der Kennzahl „Gewinn je Aktie“ deutlich weniger stark aus, als er eigentlich ist.

Aktienrückkäufe auf Rekordniveau

Auf dieses Phänomen hatte ich auch schon am 22. Januar hingewiesen (siehe „Aktienrückkäufe auf Rekordniveau – Gefahren in den Bilanzen“). In der damaligen Börse-Intern war zu lesen, dass die Aktienrückkäufe 2018 ein Rekordniveau erreichten. Nachfolgend noch einmal die dazugehörige Grafik:

Aktienrückkäufe der Unternehmen aus dem S&P 500
(Quelle: yardeni.com, Standard & Poor’s)

Das Hoch der Aktienrückkäufe war damit allerdings noch nicht erreicht. Es fiel im 4. Quartal 2018 sogar noch einmal deutlich höher aus (siehe folgende Grafik). Die US-Unternehmen gaben damit laut Medienberichten zum ersten Mal mehr Geld für Aktienrückkäufe aus als für produktive Investitionen. Und auch in den ersten Quartalen des laufenden Jahres holten die Unternehmen weiterhin fleißig eigene Aktien vom Markt.

Aktienrückkäufe der Unternehmen aus dem S&P 500
(Quelle: yardeni.com, Standard & Poor’s)

Sicherlich, inzwischen ist eine nachlassende Tendenz erkennbar. Aber inzwischen wurden ja auch die Steuergeschenke von US-Präsident Donald Trump weitestgehend ausgegeben – nicht für sinnvolle Projekte, sondern überwiegend für die eigenen Aktien. Und man sollte sich daher die Frage stellen, was mit den Gewinnen bzw. den Gewinnen je Aktie passiert, wenn die Unternehmen die Aktienkäufe weiter zurückfahren – und wie es dann insbesondere um die aktuell noch laufenden Aufwärtstrends an den US-Börden bestellt ist.

Aktienrückkäufe von Unternehmen und Anleihenkäufe der Fed

Der deutliche Rücksetzer, der jetzt schon in dem Volumen der Rückkäufe erkennbar ist, hätte eigentlich dazu führen können, dass die Aktienmärkte nicht mehr so stark steigen bzw. sogar fallen. Doch dies könnte jüngst unter anderem durch die Intervention der US-Notenbank (teilweise am Repo-Markt, siehe auch Börse-Intern vom 21. Oktober) aufgefangen worden sein. Immerhin hat die Federal Reserve binnen nur 8 Wochen ihre zuvor reduzierte Notenbankbilanz wieder um stolze 287 Milliarden Dollar aufgebläht.

Bilanzsumme der US-Notenbank

Aber was ist, wenn die Zentralbank diese Geschäfte beendet UND die US-Unternehmen nicht mehr im bisherigen Ausmaß eigene Aktien einziehen? Dann könnte es angesichts der völlig überkauften Marktlage zu einem heftigen Rücksetzer am Aktienmarkt kommen.

Ein klarer Zusammenhang zwischen Aktienrückkäufen und Aktienkursverlauf

Nun gut, wenn man den Kursverlauf des S&P 500 mit dem Volumen der Aktienrückkäufe vergleicht, dann haben wir es hier nicht gerade mit einem Frühwarnsystem zu tun. Denn in der folgenden Grafik ist der S&P 500 um ein Quartal nach rechts verschoben.

Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen der Unternehmen aus dem S&P 500 vs. Kursverlauf des S&P 500
(Quelle: yardeni.com, Standard & Poor’s)

Es lässt sich aber im Nachhinein ein Zusammenhang zwischen dem Rückkauf-Volumen und dem Kursverlauf feststellen. Und daher finde ich diese Hintergrundinformationen spannend. Man sollte den Effekt der Aktienrückkäufe auf den Gewinn je Aktie zumindest im Hinterkopf behalten – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen KGV-Bewertung, die ja auch auf Grundlage der „geschönten“ Daten berechnet wird (Aktienkurs : Gewinn je Aktie) und somit ohne die Aktienrückkäufe noch deutlich höher ausfallen würde.

Kursgewinnverhältnisse (KGV) der großen Aktienmärkte

 

Dabei liegt das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) der Aktienmärkte schon jetzt deutlich höher als der langjährige Durchschnitt.

DAX kurzzeitig mit neuem bullishen Signal

Noch sind die Aufwärtstrends an den Aktienmärkten aber vollkommen intakt. Und wie eingangs bereits geschrieben, hat der DAX gestern erst ein frisches bullishes Signal gesendet. Denn die Kurse konnten über die Rechteckgrenze bei 13.300 Punkten ausbrechen (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart). Damit hatte der Index den nächsten Schritt in Richtung Allzeithoch bei 13.596,89 Punkten gemacht. Doch der Anstieg war nicht nachhaltig. Die Kurse fielen unter die Rechteckgrenze zurück, so dass hier nun eine Bullenfalle vorliegt und erhöhte Vorsicht angebracht ist.

DAX - Target-Trend-Analyse

Die charttechnische Situation ist im DAX noch lupenrein bullish (siehe auch Börse-Intern vom 07. November). Zumal die US-Indizes auch weiter zulegen konnten und das Problem der fehlenden Anschlusskäufe (siehe Börse-Intern vom 14. November) gelöst ist.

Problematisch wird es nun aber, wenn der DAX auch noch unter die markanten Zwischenhochs vom 22.05.2018 bei 13.204,31 Zählern und vom 15.06.2018 bei 13.170,05 Punkten (dicke rote Linien im folgenden Chart) zurückfällt. Dann könnte die längst fällige Gegenbewegung (Welle 4) angelaufen sein.

Kurzfristige Trader könnten ihre Stopps also nun bis unter das Tief der Konsolidierung nachziehen, die wir im DAX in den vergangenen acht Handelstagen gesehen haben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus

(Quelle: www.stockstreet.de)

Sven Weisenhaus ist Chefredakteur des renommierten Börsen-Newsletters Börse-Intern, der vom bekannten Börsen-Portal Stockstreet.de herausgegeben wird. Er schreibt dort auch die Analysen des „Target-Trend-Spezial“ - einem börsentäglichen Dienst, der den DAX und andere Indices nach der berühmten Target-Trend-Methode analysiert.

www.stockstreet.de

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